Linsen / Anders rechnen

Anders rechnen

Doughnut-Ökonomie
Zwei Grenzen statt einer Kurve.

Erfolg bekommt zwei Ränder: einen unteren, unter den kein Mensch fallen soll, und einen oberen, über den kein Verbrauch gehen darf. Alles Wirtschaften findet im Ring dazwischen statt.

  • 20 Minuten mitten im Ablauf, kein eigener Programmpunkt
  • 4 fertige Fragen zum Vorlesen — eine reicht
  • Name ist geschützt · Kate Raworth
So fragst du die Gruppe

Nennt die drei Zahlen, an denen ihr euren Erfolg messt. Welche davon würde auch dann noch steigen, wenn es allen Beteiligten schlechter geht?

Ein Doppelring; daneben Balken zwischen zwei Grenzen, einer stößt oben durch, einer bleibt unten zurück
Anders rechnen20 Min

Worum es geht

Kate Raworth hat das Bild 2012 eingeführt: zwei Kreise ineinander. Der innere ist ein soziales Fundament — wer darunter rutscht, dem fehlt das Nötige. Der äußere ist eine ökologische Decke — wer darüber hinausgeht, sägt an den Systemen, die alles tragen. Dazwischen liegt der Ring, in dem gewirtschaftet werden darf.

Mehr zum Hintergrund

Der Trick am Bild ist nicht der Ring, sondern was er mit einer Diskussion macht. Solange Erfolg eine Kurve ist, gibt es genau eine Richtung: mehr. Sobald Erfolg ein Ring ist, gibt es zwei Fragen, und die zweite ist unbequem — wir verfehlen ein Ziel nämlich auch dann, wenn wir es überschreiten. Raworths Buch von 2017 buchstabiert das in sieben Denkbewegungen aus und ist in über zwanzig Sprachen erschienen.

Für Organisationen ist die interessanteste Verlängerung nicht das Messen, sondern der Bauplan: Wer regenerativ arbeiten will, muss an fünf Stellen ansetzen, die Marjorie Kelly beschrieben hat — Zweck, Netzwerke, Führung, Eigentum, Finanzierung. Wer nur am Produkt schraubt, kommt selten weit. Das Doughnut Economics Action Lab (DEAL) betreibt dazu eine offene Werkzeugsammlung und eigene Praxis-Grundsätze.

So setzt du sie ein

Zwanzig Minuten, direkt nach der Bestandsaufnahme und vor jeder Priorisierung. Ein Zwischenstück, kein Programmpunkt. Gebraucht wird ein Flipchart und ein Stapel Zettel.

  1. 2 Min · aufbauenZwei Kreise ineinander aufs Flipchart. Innen das Fundament, außen die Decke.
  2. 5 Min · stillJede:r schreibt auf Zettel: Was braucht unser Geschäft, und was verbraucht es?
  3. 8 Min · sortierenZettel an den inneren oder äußeren Rand hängen. Zwei Stapel: geht nach draußen, kommt von draußen.
  4. 5 Min · erntenDie Zettel vorlesen, die niemand zuordnen konnte. Genau die notieren und mitnehmen.

Alle Fragen

  1. Nennt die drei Zahlen, an denen ihr euren Erfolg messt. Welche davon würde auch dann noch steigen, wenn es allen Beteiligten schlechter geht?
  2. Angenommen, ihr dürftet nächstes Jahr nicht wachsen: Woran würdet ihr merken, dass es ein gutes Jahr war?
  3. Wovon habt ihr letztes Jahr mehr verbraucht als im Jahr davor — und wer stellt das nach?
  4. Wer in eurer Lieferkette hat den kleinsten Spielraum, wenn es bei euch eng wird?

Wo es hakt

Das Bild verführt zum Messen. Der Doughnut ist als globaler Maßstab gebaut, nicht als Kennzahlensystem für einen Betrieb mit vierzig Leuten — wer versucht, ihn für die eigene Firma zu quantifizieren, verbringt drei Sitzungen mit Datenbeschaffung und entscheidet nichts. Als Sortierhilfe für eine Diskussion ist er in zwanzig Minuten fertig. Zweite Falle: Der obere Rand wird gern übersprungen, weil er wehtut. Wenn nach einer Runde nur Sozialthemen auf dem Flipchart stehen, ist die Übung nicht gelaufen.

Werkzeuge dazu

Fremde Vorlagen zu dieser Denkfigur — im Fundus steht bei jeder, wem sie gehört und was du damit darfst.

Herkunft und Rechtelage nach eigener Recherche mit den angegebenen Quellen — kein Rechtsrat. Ideen und Konzepte sind nicht schutzfähig, ihre konkrete Ausgestaltung schon; Marken schützen den Namen, nicht den Gedanken. Rechtelagen ändern sich: vor kommerzieller Nutzung selbst nachsehen.

Rechtelage: Name ist geschützt.