Bibliothek
Methoden
Die Bausteine hinter dem Generator: jede Methode mit echtem Ablauf, Zeiten, Material und den Stellen, an denen es in der Praxis hakt. 22 Methoden — die Bibliothek wächst.
Check-in-Runde
Alle kommen einmal zu Wort, bevor es losgeht — holt die Gruppe in den Raum und macht Stimmungen sichtbar.
Beispiel-Ablauf (30 Min, 8 Personen)
- 5′Frage stellen & Format erklären — Eine Frage, die zum Anlass passt — und die Regel: zuhören, nicht kommentieren.
- 25′Runde: je 1–2 Sätze pro Person — Bei 8 Personen sind das etwa 188 Sekunden pro Person.
Material
Sitzordnung mit Sichtkontakt · ggf. Frage sichtbar aufschreiben
Woran es in der Praxis hakt
- Beiträge werden kommentiert — dann kippt die Runde in eine Diskussion. Regel: Zuhören ohne Antwort.
- Wird zum Arbeits-Statusbericht statt zum Ankommen — Frage bewusst wählen.
- Unter Zeitdruck lieber die Ein-Wort-Variante als gar kein Check-in.
Brainwriting 6-3-5
Stilles Ideenschreiben in Runden: 6 Personen, 3 Ideen, 5 Minuten — die Blätter wandern, Ideen bauen aufeinander auf. Deutsche Erfindung (Rohrbach 1968).
Beispiel-Ablauf (30 Min, 8 Personen)
- 5′Anmoderation: Leitfrage & Rasterblätter — Bei 8 Personen an 2 Tischen à max. 6 parallel arbeiten.
- 15′3 Schreibrunden à 5 Min, Blatt wandert weiter — Still schreiben: 3 Ideen pro Runde. Ab Runde 3 mehr Lesezeit lassen — notfalls auf 7 Min verlängern.
- 10′Sichten & Dubletten zusammenführen — Noch nicht bewerten — nur ordnen. Bewertung ist ein eigener Schritt (z. B. Dot-Voting).
Material
Rasterblatt (3 Spalten × 6 Zeilen) pro Person · Stifte · Timer · Tische mit klarer Weitergaberichtung
Woran es in der Praxis hakt
- Reden während der Schreibrunden killt den Effekt — striktes Schweigen moderieren.
- Unleserliche Ideen sind verlorene Ideen — zu Beginn um Klarheit bitten.
- Für Gruppen, die die Methode nicht kennen, eine kurze Proberunde einplanen.
Crazy 8s (Skizzen-Sprint)
Acht schnelle Lösungsskizzen in acht Minuten — der Zeitdruck drängt über die erste, meist naheliegendste Idee hinaus.
Beispiel-Ablauf (30 Min, 8 Personen)
- 5′Anmoderation: Blätter falten, Aufgabe schärfen — 8 Felder, 8 Ideen, 1 Minute pro Feld. Skizze, Stichwort, Symbol — alles erlaubt.
- 10′Skizzieren: 8 Ideen in 8 Minuten — Läuft still und parallel — funktioniert mit jeder Gruppengröße.
- 15′Vorstellen: ~2 Min pro Person
Material
Blanko-Blatt pro Person (3× gefaltet = 8 Felder) · dicke Stifte · Timer · Wand + Klebeband
Woran es in der Praxis hakt
- „Ich kann nicht zeichnen“ blockiert — vorab klarmachen: Krakelei ist erwünscht, nur die Idee zählt.
- Timer nicht verlängern. Der Druck ist Absicht.
- Wer im ersten Feld perfektioniert, verliert die anderen sieben.
World Café
Gespräche in Café-Atmosphäre: kleine Tische, wechselnde Runden, eine gute Frage pro Runde — Ideen wandern mit den Menschen von Tisch zu Tisch.
Beispiel-Ablauf (75 Min, 8 Personen)
- 10′Ankommen im Café: Ablauf & Gesprächs-Etikette — 3 Tische à ~4 Personen. Eine Person pro Tisch bleibt als Gastgeber:in sitzen.
- 40′2 Gesprächsrunden à 20 Min mit Tischwechsel — Pro Runde eine Frage. Auf die Tischauflage schreiben und kritzeln — das ist das Gedächtnis des Tisches.
- 25′Ernte im Plenum — Muster und Überraschungen sammeln, nicht jeden Tisch referieren lassen.
Material
Tische à 4 Personen · beschreibbare Tischauflagen (Flipchart-/Packpapier) · bunte dicke Stifte pro Tisch · vorbereitete Fragen · Glocke/Timer
Woran es in der Praxis hakt
- Die Fragen entscheiden über alles — vorher sorgfältig formulieren, von persönlich zu systemisch aufbauen.
- World Café erkundet, es beschließt nicht. Wer eine Entscheidung erwartet, wird frustriert.
- Table Hosts vorab briefen: zusammenfassen und anschließen lassen, nicht dominieren.
1-2-4-All
Erst still allein, dann zu zweit, dann zu viert, dann alle: jede Stimme fließt ein, ohne dass das Plenum zerredet. (Struktur: Liberating Structures, CC BY-SA)
Beispiel-Ablauf (30 Min, 8 Personen)
- 5′Frage stellen — Eine Frage, an der wirklich alle etwas beitragen können.
- 25′1′ allein → 2′ zu zweit → 4′ zu viert → Plenum — Pro Vierergruppe kommt eine Idee ins Plenum — keine Wiederholungen.
Material
Zettel & Stift pro Person · Glocke/Timer für die Übergänge
Woran es in der Praxis hakt
- Die stille Einzelphase ist heilig — wer da schon reden lässt, verliert die Introvertierten.
- Knappes Timing ist Teil der Methode. Lieber eine zweite Runde als eine zähe erste.
- Im Plenum gilt: eine Konversation. Keine Wiederholungen, nur Neues.
Clustern + Dot-Voting
Ideen ordnen, dann still mit Klebepunkten priorisieren — die Häufung zeigt sofort, wo die Energie der Gruppe liegt.
Beispiel-Ablauf (30 Min, 8 Personen)
- 10′Gemeinsam clustern & Cluster benennen — Dubletten zusammenführen. Cluster-Titel von der Gruppe formulieren lassen.
- 5′Still bepunkten (2–3 Punkte pro Person) — Faustregel: Punkte pro Person ≈ ein Viertel der Optionen. Erst alle kleben, dann reden.
- 15′Häufungen lesen & Top-Themen festhalten — Bei Gleichstand: Stichwahl nur zwischen den Spitzenreitern.
Material
Klebepunkte (2–3 pro Person) · Wand/Pinnwand mit den Ideen · Stifte für Cluster-Titel
Woran es in der Praxis hakt
- Lobbying während des Klebens unterbinden — still voten, sonst gewinnt die lauteste Stimme.
- Herdenkleben (dahin, wo schon Punkte sind) — bei wichtigen Votes verdeckt abstimmen.
- Farbcodierung nie ohne zweites Merkmal (Form/Beschriftung) — Farbenblindheit.
Dot-Voting
Stilles Priorisieren mit Klebepunkten — schnell, sichtbar, und die Chefstimme wiegt genauso viel wie jede andere.
Beispiel-Ablauf (25 Min, 8 Personen)
- 5′Optionen sichten & Regeln ansagen
- 5′Still bepunkten
- 15′Auswerten & kurz auf Risiken abklopfen
Material
Klebepunkte · sichtbare Optionen (Wand/Flipchart)
Woran es in der Praxis hakt
- Vorher festlegen: Wie viele Punkte pro Person? Darf kumuliert werden? Was passiert mit dem Ergebnis?
- Split-Vote zwischen zwei Favoriten → Stichwahl gleich einplanen.
- Hierarchie-Effekt: ranghöchste Person klebt zuletzt.
Fishbowl
Ein kleiner Innenkreis diskutiert, alle anderen hören zu — ein freier Gaststuhl lädt ein, sich dazuzusetzen. Tiefe statt Wortmeldungs-Pingpong.
Beispiel-Ablauf (45 Min, 8 Personen)
- 5′Aufbau & Regeln: Innenkreis, Gaststuhl, Leitfrage — Wer reden will, setzt sich rein. Wer gesagt hat, was zu sagen war, macht den Platz frei.
- 20′Gespräch im Innenkreis — Moderation greift nur ein bei Monopolisierung oder dauerhaft leerem Gaststuhl.
- 10′Beobachtungen aus dem Außenkreis — Erst kurz zu zweit sortieren, dann 3–5 Beobachtungen im Plenum.
- 10′Ergebnisse & offene Fragen sichern
Material
Innenkreis: 4–6 Stühle + 1 leerer Gaststuhl · Außenkreis konzentrisch, ohne Tische · Leitfrage sichtbar · Zettel & Stifte für den Außenkreis
Woran es in der Praxis hakt
- Häufigster Fehler: Der Innenkreis präsentiert ans Publikum statt miteinander zu reden — sofort einfangen.
- Bleibt der Gaststuhl leer: Stille aushalten, dann gezielt einladen.
- Fishbowl sammelt Perspektiven, entscheidet aber nichts — Entscheidung als eigenen Schritt planen.
Retro: Glad – Sad – Mad
Rückblick über drei Gefühlsspalten: Was gab Energie, was war zäh, was hat genervt — still gesammelt, gemeinsam ausgewertet.
Beispiel-Ablauf (30 Min, 8 Personen)
- 5′Spalten erklären: Glad / Sad / Mad — Ein Ereignis pro Karte.
- 10′Still Karten schreiben — Privat schreiben schützt vor Gruppendenken — gerade bei heiklen Themen.
- 10′Clustern & Muster benennen
- 5′Priorisieren (Punkte) & Themen vertiefen — Timebox pro Thema.
Material
Drei Spalten (Board/Flipchart) · Klebezettel · Stifte · Klebepunkte fürs Priorisieren
Woran es in der Praxis hakt
- Karten öffentlich schreiben erzeugt Konformität — still und für sich schreiben lassen.
- Ohne Timebox zerfließt die Diskussion — pro Thema 5–10 Min, Punkte entscheiden über die Reihenfolge.
- Einzelereignisse sind weniger wert als Muster — nach Wiederkehrendem fragen.
Start – Stop – Continue
Aus dem Rückblick werden Verhaltensänderungen: Was fangen wir an, was lassen wir, was behalten wir bei.
Beispiel-Ablauf (30 Min, 8 Personen)
- 10′Spalten füllen: Start / Stop / Continue — Aus der Auswertung ableiten, still vorformulieren.
- 20′Gemeinsam schärfen & auswählen — 2–3 Änderungen, konkret formuliert, schlagen zehn vage.
Material
Drei Spalten (Board/Flipchart) · Klebezettel · Stifte
Woran es in der Praxis hakt
- Vage Vorsätze versanden — jede Änderung konkret machen: Was genau, ab wann, woran merken wir's?
- Zu viele Änderungen auf einmal — lieber 2–3, die wirklich passieren.
Speed-Dating-Runden
Wechselnde Zweiergespräche im Doppelkreis: In kurzer Zeit spricht jede:r mit vielen — auch die Leisen kommen im 1:1 zu Wort.
Beispiel-Ablauf (30 Min, 8 Personen)
- 5′Aufstellung & Ablauf erklären — Innenkreis blickt nach außen, Außenkreis rotiert. Richtung einmal vormachen.
- 20′5 Gesprächsrunden à ~3 Min + Wechsel — Pro Runde dieselbe Einstiegsfrage — der Rest ergibt sich.
- 5′Kurzer Blick zurück im Plenum
Material
Platz für Doppelkreis oder zwei Stuhlreihen · gut hörbares Signal · Namensschilder
Woran es in der Praxis hakt
- Vor Runde 1 klären, welcher Kreis rotiert und in welche Richtung — sonst Chaos beim ersten Wechsel.
- Das Wechselsignal einmal demonstrieren, bevor es zählt.
- Ungerade Teilnehmerzahl vorher lösen: ein Trio bilden oder Moderation füllt auf.
Action-Board (Wer / Was / Bis wann)
Ergebnis-Sicherung mit Verbindlichkeit: Erst stehen die Namen an der Wand, dann sagt jede Person selbst, was sie übernimmt.
Beispiel-Ablauf (30 Min, 8 Personen)
- 5′Matrix anlegen — alle Namen zuerst — Wer zuerst, dann Was: Zusagen vor der Gruppe binden mehr als verteilte Aufgaben.
- 25′Reihum: eigene Zusagen + Termin — Jede Person formuliert selbst. Nachfragen: Bis wann? Woran merken wir, dass es passiert ist?
Material
Flipchart/Board mit drei Spalten: Wer / Was / Bis wann · Marker · Foto fürs Protokoll
Woran es in der Praxis hakt
- Mit der Aufgabenliste statt mit den Namen starten — dann gehören die Aufgaben am Ende niemandem.
- Einträge ohne Datum versanden zuverlässig.
- Ohne Nachfassen nach dem Termin bleibt es ein Foto von guten Absichten.
5-Why (Ursachenanalyse)
Fünfmal „Warum?“ hintereinander — führt vom Symptom zur eigentlichen Ursache, bevor jemand an Lösungen denkt.
Beispiel-Ablauf (30 Min, 8 Personen)
- 10′Problem als einen Satz festnageln — Rahmen setzen: Wir untersuchen den Ablauf, nicht die Personen.
- 15′3 Warum-Runden: still notieren, gemeinsam eine Antwort wählen — Die gewählte Antwort wird das neue Problem — so gräbt sich die Gruppe Schicht für Schicht tiefer.
- 5′Gegenprobe an der Ursache — Würde das Beheben dieser Ursache das Ausgangsproblem verhindern? Wenn nein: weitergraben.
Material
Flipchart/Board mit Spalten (Problem, Warum 1–5) · Klebezettel & Stifte · Timer
Woran es in der Praxis hakt
- Kippt schnell in Schuldzuweisung — vorab rahmen: Wir untersuchen Abläufe, keine Personen.
- „Fünf“ ist Richtwert, kein Gesetz. Aufhören, wenn die echte Ursache erreicht ist — auch nach drei Warums.
- Die vermeintliche Ursache gegenprüfen: Würde ihr Beheben das Ausgangsproblem wirklich verhindern?
Konsent-Entscheidung
Entschieden wird, wenn niemand einen schwerwiegenden Einwand hat — nicht, wenn alle begeistert sind. Tragfähig statt perfekt.
Beispiel-Ablauf (30 Min, 8 Personen)
- 5′Vorschlag vorstellen — Am besten vorab verschickt — dann reicht hier eine Auffrischung.
- 5′Verständnisfragen (Runde, Pass erlaubt) — Nur „Was ist gemeint mit …?“ — noch keine Meinungen.
- 10′Reaktionsrunde: jede Person einmal — Definierte Länge pro Person, kein Dialog.
- 5′Einwände prüfen & integrieren — Einwände einzeln testen, Vorschlag anpassen, erneut fragen.
- 5′Beschluss festhalten — Mit Prüfdatum: Wann schauen wir, ob die Entscheidung trägt?
Material
Vorschlag schriftlich und für alle sichtbar (aktuelle Fassung!) · Handzeichen-Konvention vereinbaren
Woran es in der Praxis hakt
- In der Verständnisphase schleichen sich Warum-Fragen ein — freundlich in die Reaktionsrunde verschieben.
- Die Reaktionsrunde ist keine Diskussion: jede Person einmal, dann weiter.
- Einwand heißt: belegbarer Schaden fürs gemeinsame Ziel. „Gefällt mir nicht“ ist ein Bedenken — wird notiert, blockiert nicht.
Entscheidungsmatrix (gewichtete Kriterien)
Optionen gegen gewichtete Kriterien bewerten — trennt Bauchgefühl von Fakten und macht die Abwägung für alle sichtbar.
Beispiel-Ablauf (30 Min, 8 Personen)
- 10′Kriterien sammeln & auf 4–6 eindampfen — Muss-Kriterien trennen von Nice-to-have.
- 5′Gewichte verteilen — Zum Beispiel 10 Punkte gemeinsam auf die Kriterien verteilen.
- 5′Optionen bewerten (Skala 1–5 je Kriterium) — Erst still bewerten, dann Abweichungen besprechen.
- 10′Summen lesen & Entscheidung diskutieren — Starke Teilwerte verschiedener Optionen lassen sich kombinieren.
Material
Matrix an Wand oder Board: Optionen × Kriterien · Marker · ggf. Punkte fürs Gewichten
Woran es in der Praxis hakt
- Skalen konsistent polen: hoher Wert = wünschenswert. Sonst rechnet die Matrix Unsinn zusammen.
- Bei stark abweichenden Bewertungen nicht mitteln, sondern kurz klären — da steckt meist die interessante Information.
- Das Ergebnis ist Diskussionsgrundlage, kein Automat. Wer der Zahl blind folgt, hat die Methode missverstanden.
Soziometrische Aufstellung
Der Raum wird zur Landkarte: Die Gruppe stellt sich nach Herkunft, Erfahrung oder Haltung auf — macht Vielfalt in Minuten sichtbar, ohne Vorstellungsrunde.
Beispiel-Ablauf (30 Min, 8 Personen)
- 5′Prinzip & Stille-Signal erklären — Der Raum ist die Landkarte — die Gruppe sortiert sich selbst.
- 25′3 Aufstellungs-Runden mit wechselnden Fragen — Pro Runde: aufstellen, kurz mit den Nächststehenden reden, zwei bis drei Stimmen ins Plenum holen.
Material
Freie Fläche (auch draußen) · Stille-Signal (Glocke, Klangschale)
Woran es in der Praxis hakt
- Ohne vereinbartes Stille-Signal kippt die Übung ins Dauerplappern.
- Rand-Positionen ausdrücklich willkommen heißen — wer allein steht, liefert oft den interessantesten Blick.
- Kurze Verwirrung beim Einsortieren ist normal und gehört dazu — nicht wegmoderieren.
Timeline-Rückblick
Die Gruppe füllt gemeinsam einen Zeitstrahl mit Ereignissen — viele Perspektiven werden ein Gesamtbild, Muster springen ins Auge.
Beispiel-Ablauf (30 Min, 8 Personen)
- 5′Zeitstrahl & Zweck erklären — Es geht um das Gesamtbild aus vielen Blickwinkeln — nicht um Vollständigkeit.
- 10′Still Ereignis-Karten schreiben — Was war denkwürdig? Ein Ereignis pro Karte.
- 10′Karten chronologisch hängen & ablaufen — Beim Ablaufen dürfen spontan Karten dazukommen.
- 5′Muster & Energieverläufe besprechen — Wo waren Hochs, wo Tiefs — und was hat sie ausgelöst?
Material
Langes Papier an der Wand, vorab mit Zeitmarken (Meilensteine, Monate) · Karten/Klebezettel & Marker pro Person
Woran es in der Praxis hakt
- Ein Ereignis pro Karte — und es muss nur für eine Person bedeutsam sein, kein Gruppenkonsens nötig.
- Die Gruppe produziert mehr Karten als sie besprechen kann: fürs Auswerten Punkte setzen lassen statt alles durchgehen.
- Leserlich schreiben aktiv einfordern — unlesbare Karten sind verlorene Geschichte.
Galerie-Rundgang
Ergebnisse hängen wie in einer Ausstellung — Kleingruppen rotieren, lesen, kommentieren und bauen auf den Kommentaren der anderen auf.
Beispiel-Ablauf (30 Min, 8 Personen)
- 5′Briefing: Ablauf, Takt, leise Stimmen — 3 Stationen, Gruppen à 3–5, Wechsel auf Signal.
- 10′Rotation: 3 Stationen à ~5 Min — Auf vorhandene Kommentare reagieren, nicht nur senden.
- 5′Zurück zur eigenen Station: still lesen — Was haben die anderen dagelassen?
- 10′Plenum: nur Überraschendes — Max. 2 Min pro Gruppe — keine Zweitpräsentation.
Material
Eine Station pro Thema mit konkreter Leitfrage, selbsterklärend · Dicke Marker (eine Farbe pro Gruppe) · Klebezettel, Signal für den Wechsel
Woran es in der Praxis hakt
- Vage Leitfragen produzieren „Gefällt mir“-Kommentare — pro Station eine konkrete Frage aufhängen.
- Mehr als 8 Minuten pro Station ermüdet — lieber kürzer takten.
- Die Poster müssen ohne mündliche Erklärung funktionieren, sonst stirbt die Rotation.
Story Circles (Erzählrunden)
Kleine Runden, feste Redezeit, keine Unterbrechungen: Persönliche Geschichten schaffen in einer Stunde mehr Nähe als jeder Stehempfang.
Beispiel-Ablauf (40 Min, 8 Personen)
- 5′Gruppen bilden & Regeln erklären — Feste Redezeit, keine Unterbrechungen, keine Nachfragen bis alle erzählt haben.
- 10′Runde 1: Aufwärm-Geschichte (~2 Min pro Person)
- 15′Runde 2: die eigentliche Geschichte (~3 Min pro Person) — Impuls mit Substanz — etwas, das eine echte Erfahrung berührt.
- 5′Blitz-Erinnerungen: je 15 Sek pro Geschichte — Jede:r nennt den denkwürdigsten Moment — der Beweis, dass zugehört wurde.
- 5′Auswertung in der Runde — Gemeinsame Themen? Was hat überrascht?
Material
Stuhlkreise für Gruppen à 4–6 · Timer · vorbereitete Erzähl-Impulse
Woran es in der Praxis hakt
- Das Unterbrechungsverbot ist der Kern: zugehört wird, um zu verstehen — nicht, um zu antworten.
- Redezeiten konsequent halten — die Gleichheit der Zeit macht die Sicherheit der Runde aus.
- Gruppen bewusst divers mischen, nicht nach Sympathie zusammenwürfeln lassen.
Themen-Kanban (Lean-Coffee-Prinzip)
Agenda-loses Arbeitstreffen: Die Gruppe schreibt Themen, votet, und diskutiert in strengen Timeboxen — es wird genau das besprochen, was die Gruppe wirklich interessiert.
Beispiel-Ablauf (30 Min, 8 Personen)
- 5′Themen auf Karten schreiben (eins pro Karte)
- 10′Kurz vorstellen & mit Punkten voten — 1–2 Sätze pro Thema, 2–3 Punkte pro Person.
- 10′Diskussion in Timeboxen: 5 Min, dann Daumen-Votum — Daumen hoch = 3 Min weiter, Daumen runter = nächstes Thema.
- 5′Ergebnisse & Aufgaben sichern
Material
Board mit drei Spalten: Besprechen / In Arbeit / Fertig · Klebezettel & Stifte · Klebepunkte · Timer
Woran es in der Praxis hakt
- Es gibt keine Agenda, bevor gevotet wurde — auch nicht für die Chefin.
- Themenvorstellung strikt kurz halten (1–2 Sätze), sonst ist die Diskussion schon gelaufen.
- Beschlüsse und Aufgaben sofort in einer eigenen Spalte sichern, sonst verdampfen sie.
Open Space (Kurzform)
Die Teilnehmenden machen ihre eigene Agenda: Wer ein Thema hat, ruft eine Session aus — Selbstorganisation für Gruppen ab ~20, in der Halbtags-Variante.
Beispiel-Ablauf (120 Min, 8 Personen)
- 20′Eröffnungskreis: Thema, Prinzipien, Gesetz der zwei Füße
- 15′Marktplatz: Themen ausrufen & Agenda-Wand füllen — Moderation sortiert nicht und bewertet nicht.
- 65′1 Session-Runde à ~60 Min (parallel) — Themengeber:in eröffnet, jede Session schreibt einen kurzen Ergebnis-Zettel.
- 20′Abschlusskreis & Ernte — Kurzberichte, dann: Was braucht einen nächsten Schritt, und wer nimmt ihn?
Material
Stuhlkreis ohne Tische · Leere Agenda-Wand mit Zeit-/Raum-Raster · Große Karten & dicke Marker · Breakout-Flächen (Ecken und Flure zählen)
Woran es in der Praxis hakt
- Ein vorbestimmtes Wunschergebnis ist das K.-o.-Kriterium — Open Space funktioniert nur mit echter Offenheit.
- Die Moderation hält den Raum, sie füllt ihn nicht — Über-Moderation erstickt das Format.
- Ohne Session-Doku verpufft alles: Ergebnisse sichtbar aushängen, binnen 48 Stunden an alle.
Wie-können-wir-Fragen
Erkenntnisse in öffnende Fragen verwandeln: Das Scharnier zwischen Problem-Verstehen und Ideen-Entwickeln.
Beispiel-Ablauf (30 Min, 8 Personen)
- 5′Erkenntnisse sichten — Welche Problem-Sätze sollen zu Fragen werden?
- 10′Still Wie-können-wir-Fragen schreiben — Mehrere Fragen pro Erkenntnis sind erwünscht.
- 10′Fragen schärfen: weit genug? eng genug? — Lässt die Frage viele Lösungen zu — und bleibt sie trotzdem am Problem?
- 5′Die stärksten Fragen auswählen — Zwei bis drei reichen als Sprungbrett in die Ideenfindung.
Material
Erkenntnisse/Problem-Sätze aus der Analyse (Voraussetzung!) · Klebezettel & Stifte
Woran es in der Praxis hakt
- Keine Lösung in die Frage schmuggeln — „Wie können wir eine App bauen, die …“ hat die Antwort schon festgelegt.
- Positiv formulieren: auf das gewünschte Ergebnis zielen, nicht auf das Verhindern von Symptomen.
- Ohne echte Erkenntnis darunter wird es generisch — dann erst einen Schritt zurück.
Methoden als solche sind frei — alle Texte hier sind eigenständig formuliert. Strukturquellen u. a.: Liberating Structures (CC BY-SA), The World Café (CC BY).