Linsen / Anders wahrnehmen

Anders wahrnehmen

Hebelpunkte im System
Wo ein kleiner Schub viel bewegt.

Donella Meadows hat sortiert, an welchen Stellen man in ein System eingreifen kann — von Stellschrauben bis zu den Annahmen, aus denen sich alles andere ergibt. Je weiter oben, desto größer die Wirkung und desto größer der Widerstand.

  • 25 Minuten mitten im Ablauf, kein eigener Programmpunkt
  • 4 fertige Fragen zum Vorlesen — eine reicht
  • Material gehört den Urheber:innen · Donella Meadows
So fragst du die Gruppe

An welchen Zahlen habt ihr im letzten Jahr gedreht — und was hat sich dadurch tatsächlich verändert?

Vier gestapelte Ebenen, die nach oben schmaler werden; die oberste ist hervorgehoben, daneben ein Hebel auf seinem Drehpunkt
Anders wahrnehmen25 Min

Worum es geht

Unten stehen Zahlen: Budgets, Personalschlüssel, Steuersätze. Daran drehen alle, weil es einfach ist, und es ändert selten viel. Darüber liegen Regeln und Informationsflüsse — wer erfährt was, und wann. Ganz oben stehen die Ziele und die Paradigmen: die unausgesprochenen Annahmen, aus denen sich der Rest von selbst ergibt. Wer die verschiebt, verschiebt alles darunter mit.

Mehr zum Hintergrund

Meadows hat die Liste 1997 als Aufsatz veröffentlicht und später in ihrem Buch „Thinking in Systems“ ausgebaut. Der Text ist bis heute einer der meistzitierten der Systemtheorie und im Archiv des Donella Meadows Project frei zugänglich.

Die Liste ist kein Rezept, sondern eine Ordnung. Ihr unbequemer Teil: An Zahlen kann man drehen, ohne dass jemand widerspricht — deshalb passiert dort fast alles. An Zielen und Annahmen widerspricht sofort jemand, und genau deshalb liegt dort die Wirkung. Für eine Gruppe ist die Erkenntnis meist nicht neu, aber selten so sichtbar wie an der eigenen Maßnahmenliste.

So setzt du sie ein

Fünfundzwanzig Minuten in Strategie-Runden, wenn eine Gruppe schon eine Maßnahmenliste hat. Die Liste ist die Eintrittskarte — ohne sie diskutiert die Runde Systemtheorie statt der eigenen Lage.

  1. 3 Min · anschreibenVier Ebenen untereinander ans Flipchart: Zahlen · Regeln · Informationsflüsse · Annahmen.
  2. 7 Min · einsortierenJede geplante Maßnahme auf einen Zettel und an eine Ebene hängen. Nicht diskutieren, nur zuordnen.
  3. 10 Min · anschauenWo stapelt sich alles? Fast immer unten. Laut benennen, was das über die eigene Arbeit sagt.
  4. 5 Min · anhebenZu zwei Maßnahmen von unten je eine Variante eine Ebene höher formulieren.

Alle Fragen

  1. An welchen Zahlen habt ihr im letzten Jahr gedreht — und was hat sich dadurch tatsächlich verändert?
  2. Welche Regel bei euch hat noch nie jemand hinterfragt, weil sie schon vor allen da war?
  3. Wer bekommt bei euch welche Information zu spät, und wessen Entscheidung wird dadurch schlechter?
  4. Welche Annahme müsste falsch sein, damit euer wichtigstes Vorhaben keinen Sinn mehr ergibt?

Wo es hakt

Die Ebenen werden zur Rangliste, und alles Untere gilt plötzlich als naiv. Das ist falsch: An Zahlen zu drehen ist oft genau richtig, es hält nur nicht lange. Zweite Falle: Die Annahmen-Ebene zieht Grundsatzdiskussionen an, die an einem Nachmittag niemand entscheidet. Wer dort landet, schreibt die Frage auf und geht zurück auf die Ebene darunter.

Werkzeuge dazu

Fremde Vorlagen zu dieser Denkfigur — im Fundus steht bei jeder, wem sie gehört und was du damit darfst.

Herkunft und Rechtelage nach eigener Recherche mit den angegebenen Quellen — kein Rechtsrat. Ideen und Konzepte sind nicht schutzfähig, ihre konkrete Ausgestaltung schon; Marken schützen den Namen, nicht den Gedanken. Rechtelagen ändern sich: vor kommerzieller Nutzung selbst nachsehen.

Rechtelage: Material gehört den Urheber:innen.