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Kill Your Company

Das Gedankenspiel dreht den Spieß um: Das Team entwirft den Angreifer, der das eigene Angebot vom Markt fegt — und liest aus dem Killer-Konzept ab, wo die eigenen Schwächen liegen.

Auch bekannt als Kill the Company, Killer-Szenario.

Dauer
45–90 Min
Gruppe
3–14 Personen
Phase
Ideen finden
Anlass
Strategie & Zukunft, Innovation & neue Ideen

Wann Kill Your Company passt

Nimm sie, wenn …

  • Ein Angebot läuft gut, und genau deshalb fragt niemand mehr, wo es angreifbar ist.
  • Strategie-Workshop: Das Team soll aus Sicht eines Wettbewerbers denken.

Lass sie liegen, wenn …

  • Das Unternehmen steckt in einer Krise. Dann wird das Planspiel zur Jammerrunde.
  • Es gibt noch kein Angebot. Ohne Objekt gibt es nichts zu killen.

Schritt für Schritt

Stell Zeit und Gruppengröße ein, der Ablauf rechnet mit. Im Agenda Maker passiert dasselbe, wenn du die Blockdauer änderst.

45 Minuten für 8 Personen
  1. 1
    Fiktion aufmachen & Rollenwechsel5 Min

    Ansage: „Wir sind ab jetzt der Wettbewerber. Unser Auftrag: dieses Angebot überflüssig machen.“

  2. 2
    Schwachstellen des Angebots sammeln15 Min

    Aus Angreifer-Sicht: Wo ist es langsam, teuer, unbequem, austauschbar? Kundenbeschwerden als Munition.

  3. 3
    Killer-Konzept entwerfen15 Min

    Zwei Angreifer-Teams parallel — unterschiedliche Strategien (Preis vs. Erlebnis) machen den Vergleich scharf.

  4. 4
    Rückübersetzung: Was tun WIR jetzt?10 Min

    Jede Killer-Stärke wird zur Frage: abwehren, kopieren oder bewusst lassen? Mit Verantwortlichen notieren.

Was du sagst

Ihr seid jetzt die Konkurrenz und wollt unser Angebot vom Markt fegen. Wo sind wir schwach, und wie würdet ihr das ausnutzen? Baut euer Angriffskonzept.

Der Satz, mit dem du den Block eröffnest. In eckigen Klammern steht, was du mit deinem Thema füllst. Im Agenda Maker liegt er im Feld „Moderation".

Woran es in der Praxis hakt

  • Wird zur Jammer-Runde über die eigene Firma — der Rollenwechsel muss klar sein: Ihr SEID der Angreifer, mit dessen Ressourcen und Freiheiten.
  • Der Angreifer bleibt vage („ein Startup mit KI“) — das Killer-Konzept braucht Kontur: Zielgruppe, Angebot, warum wechseln die Kunden?
  • Die Rückübersetzung fällt hinten runter — ohne den Schritt „Was heißt das für UNS, ab morgen?“ war es nur ein unterhaltsames Planspiel.

Mehr zu Kill Your Company

Hintergrund, Beispiele und Varianten. Lesezeit etwa 4 Minuten.

Kill Your Company ist ein Planspiel, in dem ein Team einen fiktiven Wettbewerber entwirft, der das eigene Angebot überflüssig macht, und daraus ableitet, wo das Angebot verwundbar ist. Die Methode gehört in Strategie- und Innovationsworkshops. Sie setzt ein bestehendes Produkt, einen Service oder ein Geschäftsfeld voraus. Ihr Reiz liegt im Perspektivwechsel: Wer sonst das eigene Angebot verteidigt, darf es eine Stunde lang mit Lust angreifen.

Wo das Planspiel in einen Strategieprozess passt

Vor dem Planspiel muss klar sein, was angegriffen wird. Ein kurzer Steckbrief des Angebots reicht: für wen es gedacht ist, was es kostet, wie Kundinnen es heute nutzen. Wer das genauer will, legt vorher ein Business Model Canvas oder eine Value Proposition an die Wand. Je klarer das Ziel beschrieben ist, desto genauer kann der Angreifer zielen. Hilfreich sind außerdem echte Rückmeldungen: Beschwerden, Kündigungsgründe, Fragen aus dem Support.

Danach kommt die Arbeit am eigenen Angebot. Aus der Rückübersetzung entstehen Vermutungen darüber, was Kundinnen wirklich wechseln lassen würde. Diese Vermutungen prüfst du im Annahmen-Check, bevor Geld in eine Abwehr fließt. Was sofort angegangen wird, landet mit Namen und Datum auf dem Action-Board.

Wie es sich von verwandten Methoden unterscheidet

Das Pre-Mortem fragt, warum ein Projekt in einem Jahr schiefgegangen sein könnte. Die Gründe sucht es vor allem im eigenen Vorgehen. Kill Your Company richtet den Blick nach außen, auf einen Wettbewerber, den es noch gar nicht gibt. Die Kopfstand-Methode dreht eine Frage um und sammelt Ideen, wie man etwas möglichst schlecht macht. Im Planspiel entsteht ein ganzes Gegen-Angebot mit Zielgruppe und Geschäftslogik. Die SWOT-Analyse listet Risiken auf einem Raster auf. Kill Your Company greift eines davon heraus und spielt es so konkret durch, dass sich das Team den Angreifer vorstellen kann.

Die Methoden lassen sich kombinieren. Eine SWOT kann das Material liefern, aus dem der Angreifer seine Munition holt, und ein Pre-Mortem kann die Abwehrpläne aus dem Planspiel prüfen.

Typen von Angreifern

Ein Angreifer bekommt schneller Kontur, wenn das Team aus einem Typ heraus denkt. Einige Muster, die sich gut eignen:

  • Der Preisbrecher bietet das Wesentliche für einen Bruchteil und lässt alles Übrige weg.
  • Der Erlebnis-Anbieter kostet mehr und macht den Kauf oder die Nutzung deutlich angenehmer.
  • Der Quereinsteiger kommt aus einer anderen Branche und hat schon Zugang zu denselben Kundinnen.
  • Die Kundin selbst löst das Problem mit eigenen Mitteln und braucht das Angebot nicht mehr.
  • Der Plattform-Spieler vermittelt nur und lässt andere die eigentliche Leistung erbringen.

Mit zwei Angreifer-Teams lohnt es sich, ihnen verschiedene Typen zuzulosen. Dann entstehen zwei Angriffe aus verschiedenen Richtungen.

Ein Beispiel

Angenommen, das Team eines regionalen Weiterbildungsanbieters mit Präsenzkursen am Abend spielt Kill Your Company. Sechs Leute aus Programmplanung, Verwaltung und Kursleitung sind dabei, eingeplant sind 90 Minuten.

Das erste Angreifer-Team wählt den Preisbrecher. Es entwirft ein Abo mit kurzen Videolektionen und einer monatlichen Online-Sprechstunde, buchbar mit drei Klicks. Als Munition dienen echte Beschwerden: Kurse fallen aus, wenn zu wenige sich anmelden, und die Anmeldung läuft noch über ein Papierformular. Das zweite Team wählt den Erlebnis-Anbieter. Es plant kleine Gruppen in einem Café mit fester Kursleitung über ein ganzes Jahr, dazu einen Abschlussabend mit Zertifikat.

In der Rückübersetzung zeigt sich, dass beide Angreifer bei der Anmeldung ansetzen. Das Team beschließt, das Formular durch eine Online-Buchung zu ersetzen. Die Frage, ob Teilnehmende feste Gruppen über längere Zeit wollen, kommt als Annahme auf die Liste und wird in Gesprächen geprüft.

Varianten

Mit größeren Gruppen arbeiten drei oder vier Angreifer-Teams parallel, jedes mit einem anderen Typ. Die Konzepte hängen danach nebeneinander, und alle gehen sie im Galerie-Rundgang ab, bevor ihr gemeinsam zurückübersetzt.

Online bekommt jedes Angreifer-Team einen eigenen Raum und eine Vorlage für das Killer-Konzept: Zielgruppe, Angebot, Preis, der Grund zum Wechseln. So sind die Ergebnisse vergleichbar.

Mit wenig Zeit baut nur ein Team einen Angreifer, und die Runde konzentriert sich auf die Frage, warum Kundinnen wechseln würden. 45 Minuten reichen dafür.

Was mit dem Killer-Konzept danach passiert

Nach dem Workshop zählen vor allem die Antworten aus der Rückübersetzung und die Liste der Annahmen. Bewahre die Killer-Konzepte trotzdem auf. In einem halben Jahr kannst du nachsehen, ob ein ähnlicher Anbieter tatsächlich aufgetaucht ist und ob die beschlossenen Maßnahmen gegriffen haben.

Du kannst das Spiel jährlich mit demselben Angebot wiederholen. Dann wird sichtbar, welche Schwachstellen geschlossen sind und welche neu dazugekommen sind. Wer aus einem Killer-Konzept eine eigene Idee entwickeln will, kann es direkt in die Walt-Disney-Methode geben und es dort als Träumer, Realist und Kritiker durchgehen.

Quellen

Häufige Fragen

Was ist Kill Your Company?

Ein Planspiel, in dem das Team den Angreifer entwirft, der das eigene Angebot vom Markt fegt. Aus dem Killer-Konzept liest es ab, wo die eigenen Schwächen liegen und was ab morgen zu tun ist.

Wie lange dauert Kill Your Company?

45 bis 90 Minuten: Rollenwechsel, Schwachstellen sammeln, Killer-Konzept entwerfen, Rückübersetzung. Der letzte Schritt ist der wichtigste; ohne ihn war es nur ein Spiel.

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