Card Sorting
Teilnehmende sortieren vorbereitete Karten nach Wichtigkeit oder in eigene Gruppen — zeigt, wie Nutzer:innen denken, priorisieren und Dinge einordnen.
Auch bekannt als Kartensortierung, Card Sort, Open Card Sorting.
- Dauer
- 20–45 Min
- Gruppe
- 2–16 Personen
- Phase
- Beobachten
- Anlass
- Nutzer & Zielgruppe verstehen, Strategie & Zukunft
Wann Card Sorting passt
Nimm sie, wenn …
- Du willst wissen, wie Nutzer:innen Inhalte, Funktionen oder Begriffe gruppieren, etwa für eine Navigation oder ein Angebot.
- Ein Team streitet über Kategorien und braucht die Sicht von außen.
Lass sie liegen, wenn …
- Du suchst neue Ideen. Card Sorting ordnet Vorhandenes, es erfindet nichts.
- Die Karten sind noch nicht klar beschriftet. Dann sortieren die Leute Missverständnisse.
Schritt für Schritt
Stell Zeit und Gruppengröße ein, der Ablauf rechnet mit. Im Agenda Maker passiert dasselbe, wenn du die Blockdauer änderst.
- 1Karten & Auftrag erklären5 Min
Sortieren nach Wichtigkeit ODER in selbstgewählte Gruppen — Auftrag klar festlegen.
- 2Sortieren (einzeln oder zu zweit), laut denkend15 Min
Bei 8 Personen parallel an mehreren Tischen — eine Person pro Tisch beobachtet und notiert.
- 3Ergebnisse vergleichen & Muster festhalten10 Min
Wo sortieren alle gleich, wo gehen die Welten auseinander? Beides notieren.
Was du sagst
Vor euch liegen Karten. Sortiert sie so, wie es für euch Sinn ergibt, und sagt dabei laut, was ihr denkt. Richtig oder falsch gibt es hier nicht.
Der Satz, mit dem du den Block eröffnest. In eckigen Klammern steht, was du mit deinem Thema füllst. Im Agenda Maker liegt er im Feld „Moderation".
Woran es in der Praxis hakt
- Vorgedachte Kategorien untergejubelt (geschlossenes Sorting), obwohl man die Denkwelt der Nutzer sucht — offen sortieren lassen.
- Karten unklar beschriftet — jede Karte muss ohne Erklärung verständlich sein, sonst sortiert man Missverständnisse.
- Nur das Ergebnis angeschaut: Das laute Denken beim Sortieren ist die halbe Erkenntnis.
Mehr zu Card Sorting
Card Sorting ist eine Methode der Nutzerforschung, bei der Teilnehmende Karten mit Begriffen, Inhalten oder Funktionen in Gruppen sortieren, die für sie Sinn ergeben. Daraus liest du ab, wie Menschen ein Themenfeld im Kopf ordnen und welche Wörter sie dafür benutzen. Die Methode kommt aus der Gestaltung von Informationsarchitektur, also von Navigationen, Menüs und Ablagen. Im Workshop eignet sie sich außerdem, um Prioritäten von außen sichtbar zu machen.
Wofür Card Sorting im Prozess steht
Card Sorting gehört in die Phase, in der ein Team verstehen will, wie seine Nutzer:innen denken. Davor braucht es Material für die Karten. Das kommt aus Interviews, aus einer Bestandsaufnahme vorhandener Inhalte oder aus einer Research-Mindmap. Erst wenn klar ist, welche Dinge überhaupt geordnet werden sollen, lohnt sich das Sortieren.
Danach geht das Ergebnis in die Gestaltung. Aus den Gruppen entsteht ein erster Entwurf für eine Navigation oder eine Seitenstruktur. Den prüfst du am besten mit einem Papierprototyp oder in einer Nutzertest-Runde: Finden die Leute, was sie suchen, und zwar dort, wo sie es vermuten?
Die Auswertung ähnelt dem Affinity Diagramming, mit dem ein Team sein eigenes Forschungsmaterial clustert: Auch hier entstehen Gruppen mit Namen, und gerade die Namen verraten viel.
Varianten
Die Mischform. Neben dem offenen und dem geschlossenen Sorting gibt es eine Mischung: Ein paar Kategorien sind vorgegeben, und die Teilnehmenden dürfen eigene ergänzen. Sie passt, wenn eine Struktur schon steht und du wissen willst, wo sie Lücken hat.
Nach Wichtigkeit. Die Teilnehmenden legen die Karten in eine Reihe, von „brauche ich ständig“ bis „brauche ich nie“. So siehst du, welche Funktionen nach vorn gehören und welche in einem Untermenü gut aufgehoben sind. Wenn du danach Ideen auswählen musst, kannst du die Reihenfolge als eine Achse einer 2×2-Matrix nutzen.
Online. Es gibt Werkzeuge, mit denen Teilnehmende allein am Rechner sortieren. Damit erreichst du mehr Menschen, verlierst aber das laute Denken. Gut funktioniert eine Kombination: zuerst einige Sitzungen vor Ort oder per Video mit Beobachtung, danach eine größere Runde online, die prüft, ob sich die Muster halten.
Mit wenig Zeit. Nimm weniger Karten und lass zu zweit sortieren. Paare reden von selbst miteinander, und du hörst die Begründungen, ohne nachzufragen.
Ein Beispiel
Angenommen, eine Volkshochschule baut ihre Website neu. Das Kursprogramm ist bisher nach Fachbereichen geordnet: Sprachen, Gesundheit, Beruf, Kultur. Das Team schreibt Karten mit einzelnen Kursen, etwa „Excel für Einsteiger“, „Rückenfit“, „Italienisch für den Urlaub“, „Bewerbung schreiben“ und „Aquarell“.
Acht Teilnehmende sortieren offen, jeweils zu zweit. Drei Paare bilden Gruppen nach Fachgebiet, ähnlich der bestehenden Struktur. Ein Paar sortiert nach Anlass: „für den Job“, „für mich“, „für die Reise“. Beim lauten Denken fällt ein Satz, der im Team hängen bleibt: „Wenn ich einen Kurs suche, denke ich an meinen nächsten Urlaub.“ Einige Karten wandern bei jedem Paar woandershin, darunter „Excel für Einsteiger“, das mal bei Beruf und mal bei einer selbst benannten Gruppe „Computer“ landet.
Das Team zieht daraus zwei Schlüsse. Die Seite braucht neben den Fachbereichen einen zweiten Einstieg über Anlässe. Und Karten, die überall hinwandern, sind Kandidaten für mehrere Zuordnungen in der Navigation.
Woran du ein gutes Ergebnis erkennst
Ein gutes Ergebnis zeigt Muster und Abweichungen. Sind alle Gruppen deckungsgleich, waren die Karten vermutlich zu eindeutig oder die Teilnehmenden einander zu ähnlich. Ist gar kein Muster erkennbar, war das Kartenset zu breit gemischt.
Besonders wertvoll sind die Gruppennamen, die Teilnehmende selbst vergeben. Sie zeigen die Wörter, mit denen Menschen suchen. Genau diese Wörter gehören später in Menüs, Überschriften und Suchbegriffe. Wenn das Team intern von „Weiterbildungsangeboten“ spricht und alle Teilnehmenden ihre Gruppe „Kurse für den Job“ nennen, ist die Wortwahl für die Website entschieden.
Was du danach mit dem Ergebnis machst
Halte für jede Karte fest, wo sie überall gelandet ist. Eine einfache Tabelle reicht: Karten in den Zeilen, Gruppen in den Spalten, ein Strich für jede Zuordnung. Bei großen Online-Runden rechnen die Werkzeuge solche Übersichten selbst aus.
Aus den stabilen Gruppen baust du die Struktur. Die strittigen Karten gehen als offene Fragen in den nächsten Test. Notizen aus dem lauten Denken hängst du an die passenden Gruppen, denn sie erklären, warum jemand so sortiert hat. Wenn das Team am Ende zwischen mehreren Strukturvarianten wählen muss, hilft eine Entscheidungsmatrix mit klaren Kriterien, etwa Auffindbarkeit, Pflegeaufwand und Platz für neue Angebote.
Quellen
Häufige Fragen
Was ist Card Sorting?
Teilnehmende sortieren Karten mit Begriffen, Funktionen oder Inhalten in Gruppen, die für sie Sinn ergeben. So siehst du, wie Nutzer:innen Dinge einordnen, zum Beispiel für eine Website-Navigation.
Was ist der Unterschied zwischen offenem und geschlossenem Card Sorting?
Beim offenen Sorting bilden die Teilnehmenden eigene Gruppen und benennen sie selbst. Beim geschlossenen Sorting sind die Kategorien vorgegeben. Offen zeigt die Denkwelt der Nutzer:innen, geschlossen prüft eine bestehende Struktur.
Wie viele Karten sind sinnvoll?
Zwischen 30 und 60 Karten, jede mit genau einer Sache, ohne Erklärung verständlich. Mehr ermüdet, weniger zeigt kaum Muster.
Passt dazu
Alternativen mit demselben Job
Aus demselben Anlass
Fertige Design-Thinking-Abläufe von 90 Minuten bis zur Sprint-Woche: Design Thinking bei Facilitools. Alle Methoden in der Bibliothek.