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Stakeholder-Map

Alle Beteiligten und Betroffenen eines Vorhabens sichtbar machen und nach Einfluss und Interesse sortieren — wer muss mitgenommen, wer nur informiert werden?

Auch bekannt als Stakeholder-Analyse, Stakeholder Mapping, Anspruchsgruppen-Landkarte.

Dauer
30–60 Min
Gruppe
2–16 Personen
Phase
Verstehen
Anlass
Strategie & Zukunft, Auftakt & Teamstart, Spannungen & heikle Themen

Wann Stakeholder-Map passt

Nimm sie, wenn …

  • Ein Vorhaben startet und niemand hat aufgeschrieben, wer alles mitreden will.
  • Ein Projekt stockt, und du ahnst, dass jemand Wichtiges nicht am Tisch sitzt.
  • Vor einer Interview-Phase: Wen befragen wir zuerst?

Lass sie liegen, wenn …

  • Die Beteiligten sind längst bekannt und der Konflikt liegt woanders. Dann hilft eine Entscheidungsmethode mehr.
  • Du willst Nutzerbedürfnisse verstehen. Dafür ist die Persona oder die User Journey das Werkzeug. Die Stakeholder-Map sortiert Interessen und Einfluss.

Schritt für Schritt

Stell Zeit und Gruppengröße ein, der Ablauf rechnet mit. Im Agenda Maker passiert dasselbe, wenn du die Blockdauer änderst.

30 Minuten für 8 Personen
  1. 1
    Vorhaben & Leitfrage anmoderieren5 Min

    Wessen Verhalten oder Zustimmung entscheidet über Erfolg?

  2. 2
    Still sammeln: eine Person/Gruppe pro Zettel10 Min

    Konkret werden: „Frau Meier, Amtsleitung“ sagt mehr als „Verwaltung“.

  3. 3
    Zettel clustern & auf der Fläche ordnen5 Min

    Dubletten stapeln, Gruppen benennen — noch ohne Bewertung.

  4. 4
    In die Einfluss-×-Interesse-Matrix einordnen5 Min

    Relativ zueinander platzieren — strittige Fälle kurz diskutieren, Rest zügig.

  5. 5
    Konsequenzen ableiten5 Min

    Für die Schlüssel-Stakeholder (viel Einfluss): Was brauchen sie von uns — und was wir von ihnen?

Was du sagst

Wen betrifft [Vorhaben], und wer hat darauf Einfluss? Schreibt still jede Person und Gruppe auf einen eigenen Zettel. Danach ordnen wir sie auf der Fläche nach Einfluss und Interesse.

Der Satz, mit dem du den Block eröffnest. In eckigen Klammern steht, was du mit deinem Thema füllst. Im Agenda Maker liegt er im Feld „Moderation".

Woran es in der Praxis hakt

  • Nur die üblichen Verdächtigen: bewusst nach leisen und indirekten Gruppen fragen (wer ist betroffen, sitzt aber nie am Tisch?).
  • Die Map veraltet — sie ist ein Arbeitsstand. Datum dranschreiben.
  • Einordnung nach Hierarchie — informelle Macht und echten Einfluss mitdenken.

Mehr zu Stakeholder-Map

Hintergrund, Beispiele und Varianten. Lesezeit etwa 4 Minuten.

Eine Stakeholder-Map ist eine Landkarte aller Menschen und Gruppen, die ein Vorhaben beeinflussen oder von ihm betroffen sind, sortiert nach ihrem Einfluss und ihrem Interesse. Sie macht sichtbar, wer mitentscheidet, wer bremsen kann und wer bisher gar nicht vorkommt. Im Design Thinking steht sie meist am Anfang, wenn das Team sein Feld absteckt. In Organisationsprojekten taucht sie auch mitten im Vorhaben auf, wenn etwas hakt und keiner genau sagen kann, woran.

Wo die Map im Prozess steht

Davor steht eine Frage, die das Vorhaben umreißt. Ohne sie wird die Map beliebig, weil am Ende jede Person irgendwie betroffen ist. Hilfreich ist eine ausformulierte Design Challenge oder wenigstens ein Satz, der beschreibt, was sich am Ende ändern soll.

Danach geht es meist in zwei Richtungen. Die erste führt ins Feld. Aus der Map ergibt sich, mit wem das Team zuerst sprechen sollte. Für Gespräche mit Betroffenen eignet sich das Explorative Interview, für Menschen mit Fach- oder Entscheidungswissen das Experteninterview. Was in diesen Gesprächen über Verhalten und Ziele herauskommt, verdichtet das Team später zum Beispiel zu einer Persona.

Die zweite Richtung führt in die Projektplanung. Wer viel Einfluss hat, braucht einen Platz im Zeitplan, etwa einen festen Termin für Zwischenstände. Wer viel Interesse und wenig Einfluss hat, braucht einen Weg, sich zu melden.

Varianten

Mit wenig Zeit. Zwanzig Minuten reichen für eine grobe Fassung, wenn das Team schon eine Liste der Beteiligten mitbringt. Das stille Sammeln fällt dann kurz aus, und die Zeit geht in die Einordnung und die Folgen.

Online. Auf einem digitalen Whiteboard funktioniert die Map gut, weil sich Zettel leicht verschieben lassen. Leg vorab das Achsenkreuz an und gib jeder Person eine eigene Zettelfarbe. Nach dem Sammeln siehst du dann, wer welche Gruppen eingebracht hat und wo sich die Sichtweisen im Team unterscheiden.

Mit Beziehungen. Wenn das Feld verwinkelt ist, ergänze Linien: Wer hört auf wen, wer liefert wem zu, wo gibt es Streit? Schnell entsteht daraus ein Netz. Für solche Fälle gibt es die Akteurslandkarte, die die Verbindungen zwischen den Beteiligten in den Mittelpunkt stellt.

Mit Menschen aus dem Feld. Eine Map, die nur das Projektteam baut, zeigt den Blick dieses Teams. Lade, wenn es geht, zwei oder drei Menschen ein, die im Feld arbeiten oder leben. Sie kennen oft auch die informellen Wege.

Ein Beispiel

Angenommen, eine Stadtbibliothek will ihre Öffnungszeiten am Abend verlängern, ohne mehr Personal einzustellen. Das Projektteam besteht aus sechs Personen. Nach dem stillen Sammeln ist die Wand voll.

Beim Clustern zeigt sich: Die meisten Zettel betreffen die Leitung, den Personalrat und das Stammpublikum. An den Reinigungsdienst, der bisher abends um sieben anfängt, hat niemand gedacht. Auch die Hausmeisterei, die das Gebäude abschließt, fehlte zunächst. Beide haben wenig formalen Einfluss, sind aber für jeden Abendbetrieb nötig.

In der Matrix landen Leitung und Personalrat im Feld mit viel Einfluss und viel Interesse. Das Stammpublikum hat viel Interesse und wenig Einfluss. Die Kulturverwaltung der Stadt hat viel Einfluss und zeigt bislang wenig Interesse. Reinigungsdienst und Hausmeisterei rutschen nach der Diskussion ein Stück nach oben, weil ohne ihre Zustimmung kein Abend stattfindet.

Daraus folgt eine kurze Liste. Den Personalrat früh in die Planung holen. Reinigungsdienst und Hausmeisterei befragen, bevor das erste Konzept steht. Die Kulturverwaltung mit einem knappen Zwischenbericht auf dem Laufenden halten. Das Stammpublikum über eine Umfrage an der Ausleihe einbinden.

Woran du eine brauchbare Map erkennst

  • Auf den Zetteln stehen Rollen oder Namen, die sich ansprechen lassen. „Die Politik“ lässt sich nicht anrufen.
  • Mindestens eine Gruppe taucht auf, an die zu Beginn niemand gedacht hat.
  • Jede Position ist begründet. Fragst du bei einem Zettel „Warum steht der hier?“, kann jemand im Raum antworten.
  • Neben der Map steht eine Liste mit Folgen: wen ihr wann ansprecht und mit welchem Anliegen.

Wenn eine dieser Proben hakt, lohnt eine zweite Runde. Oft reicht die Frage: Wer würde sich beschweren, wenn wir das Vorhaben morgen umsetzen?

Was du danach mit der Map machst

Halte die Map fest und häng sie dort auf, wo das Team plant. Aus der Liste der Folgen wird ein Action-Board mit Namen und Terminen. Wer viel Einfluss hat, bekommt einen festen Gesprächstermin. Wer viel Interesse und wenig Einfluss hat, bekommt regelmäßig Informationen und eine Ansprechperson.

Schau dir die Map an jedem Meilenstein wieder an. Positionen verschieben sich. Eine Gruppe, die zu Beginn kaum Interesse zeigte, wird oft aufmerksam, sobald ein erster Entwurf auf dem Tisch liegt. Dann wandert ihr Zettel in der Matrix, und mit ihm ändert sich, wie oft ihr mit dieser Gruppe sprecht. Wenn sich im Lauf des Projekts zeigt, dass mehrere Gruppen sich gegenseitig blockieren, hilft ein Blick mit dem Wirkungsnetz auf die Zusammenhänge.

Quellen

Häufige Fragen

Was ist eine Stakeholder-Map?

Eine Landkarte aller Personen und Gruppen, die ein Vorhaben beeinflussen oder von ihm betroffen sind. Sie werden nach Einfluss und Interesse eingeordnet. Daraus liest du ab, wer mitentscheiden muss, wer informiert werden will und wen du leicht vergisst.

Wie lange dauert eine Stakeholder-Map im Workshop?

Mit einer Gruppe von bis zu 16 Personen rechne mit 30 bis 60 Minuten: sammeln, ordnen, in die Matrix einordnen, Konsequenzen ableiten. Die Map ist danach ein Arbeitsstand, kein fertiges Dokument.

Was ist der Unterschied zwischen Stakeholder-Map und Persona?

Die Stakeholder-Map sortiert Interessen und Macht rund um ein Vorhaben. Die Persona beschreibt eine Nutzerin mit Zielen und Schmerzpunkten. Die eine Methode fragt, wer mitredet, die andere, für wen gearbeitet wird.

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