Research-Download (Storytelling)

Feldeindrücke als Geschichten ins Team holen: Wer draußen war, erzählt — die anderen notieren mit. So wird aus Einzelwissen Teamwissen.

Dauer
30–60 Min
Gruppe
3–12 Personen
Phase
Standpunkt beziehen
Anlass
Nutzer & Zielgruppe verstehen, Spannungen & heikle Themen

Wann Research-Download passt

Nimm sie, wenn …

  • Nach Interviews oder Beobachtungen war nur ein Teil des Teams draußen und die anderen sollen das Wissen bekommen.
  • Notizen aus dem Feld liegen verstreut in Notizbüchern und müssen auf eine gemeinsame Wand.
  • Vor dem Clustern oder dem Point-of-View-Statement braucht ihr Rohmaterial auf Zetteln.

Lass sie liegen, wenn …

  • Niemand war im Feld, es gibt nur Annahmen. Dann erst raus: Plant mit dem Interview-Leitfaden echte Gespräche.
  • Die Geschichten sind erzählt und die Zettel hängen. Zum Ordnen nimm jetzt Affinity Diagramming.

Schritt für Schritt

Stell Zeit und Gruppengröße ein, der Ablauf rechnet mit. Im Agenda Maker passiert dasselbe, wenn du die Blockdauer änderst.

30 Minuten für 8 Personen
  1. 1
    Rahmen: Rollen & Notier-Regel erklären5 Min

    Erzählen wie einem Freund — konkret, mit Zitaten. Zuhörende schreiben eine Beobachtung pro Zettel.

  2. 2
    Erzähl-Runden (5 Personen à ~5 Min)15 Min

    Pro Geschichte kurz Raum für Verständnisfragen — keine Diskussion, keine Bewertung.

  3. 3
    Zettel sichten & erste Muster markieren10 Min

    Was taucht mehrfach auf, was überrascht? Das ist Rohmaterial für Clustern oder POV.

Was du sagst

Wer draußen war, erzählt jetzt fünf Minuten, was er oder sie erlebt hat. Alle anderen schreiben mit, eine Beobachtung pro Zettel. Fragen stellen wir am Ende.

Der Satz, mit dem du den Block eröffnest. In eckigen Klammern steht, was du mit deinem Thema füllst. Im Agenda Maker liegt er im Feld „Moderation".

Woran es in der Praxis hakt

  • Zusammenfassung statt Geschichte: „Die Nutzerin war unzufrieden“ bringt nichts — die konkrete Szene mit Zitaten erzählt.
  • Nur die erzählende Person schreibt — falsch herum: Die Zuhörenden notieren, die Erzählerin erzählt frei.
  • Deutung schleicht sich in die Notizen — erst festhalten, was passiert ist, Interpretation kommt danach.

Mehr zu Research-Download

Hintergrund, Beispiele und Varianten. Lesezeit etwa 4 Minuten.

Ein Research-Download ist eine Erzählrunde nach der Feldphase: Wer bei Interviews oder Beobachtungen dabei war, erzählt die Begegnungen als Geschichten, und die anderen schreiben mit, eine Beobachtung pro Zettel. Im Design Thinking steht er zwischen dem Verstehen und der Synthese. Das Team hat Gespräche geführt und Menschen bei der Arbeit zugeschaut. Dieses Wissen liegt jetzt verteilt in Köpfen und Notizbüchern, und der Download holt es auf eine gemeinsame Wand.

Mit Storytelling ist im Design Thinking oft auch das Präsentieren von Ideen gemeint, etwa im Pitch am Ende eines Sprints. Der Research-Download ist die frühe, rohe Form davon. Hier erzählt das Team sich selbst, was es draußen erlebt hat.

Was davor passiert und was danach kommt

Ohne Feldmaterial gibt es nichts herunterzuladen. Davor stehen also Gespräche, die du mit einem Interview-Leitfaden vorbereitet und als Exploratives Interview geführt hast, oder Beobachtungen wie bei Fly on the Wall. Zwischen Feldeinsatz und Download sollten höchstens ein, zwei Tage liegen. Tonfall und Nebensätze verblassen schnell, und gerade daraus entsteht später oft eine Erkenntnis.

Danach geht es ans Ordnen. Die Zettel wandern ins Affinity Diagramming, wo aus vielen Einzelbeobachtungen Themen werden. Aus diesen Themen formuliert das Team ein Point-of-View-Statement oder baut eine Empathy Map für die Menschen, mit denen es gesprochen hat. Jeder Zettel geht auf eine erzählte Begegnung zurück. Dadurch bleibt die Spur zum Gespräch erhalten, und auf die Frage „Woher wissen wir das eigentlich?“ gibt es eine Antwort.

Was eine Geschichte aus dem Feld ausmacht

Eine Geschichte für den Download hat einen Ort, eine Person und einen Moment. Wo warst du, mit wem hast du gesprochen, was ist passiert? Ein Satz zur Einordnung reicht: welche Rolle die Person hat und warum ihr miteinander geredet habt. Dann kommt die Szene selbst, so genau wie möglich. Wörtliche Sätze der Gesprächspartnerin sind wertvoll, weil sie später auf Zetteln, Bögen und Prototypen wieder auftauchen. Und dann der Moment, in dem du gestutzt hast. Wo hat dich etwas überrascht, wo hat jemand etwas anderes getan, als er gesagt hat?

Eine einfache Struktur hilft beim Erzählen. Wer war es? Was ist passiert? Was hat die Person gesagt? Was hat dich überrascht? Diese Fragen können als Karte an der Wand hängen. Wer erzählt, schaut zwischendurch drauf und merkt selbst, wenn ein Teil fehlt. Fotos vom Ort oder von einem Gegenstand, den die Person gezeigt hat, helfen den Zuhörenden, sich die Szene vorzustellen.

Varianten für online, große Teams und wenig Zeit

Online läuft der Download auf einem digitalen Whiteboard. Jede erzählende Person bekommt einen eigenen Bereich, die Zuhörenden schreiben ihre Zettel direkt dort hinein. Kameras an hilft, weil Mimik beim Erzählen viel vermittelt. Fotos aus dem Feld legst du vor der Runde in den jeweiligen Bereich, damit niemand während der Erzählung sucht.

In großen Teams teilst du auf. Drei oder vier Untergruppen hören je zwei, drei Geschichten. Danach gehen alle im Galerie-Rundgang an den Wänden entlang. Jede Person hört einen Teil der Geschichten und sieht danach alle Wände.

Mit wenig Zeit erzählt jede Person nur ihre eindrücklichste Begegnung. Die übrigen Notizen werden vorher abgetippt und hängen daneben. Das ist dünner, reicht aber, um am selben Tag ins Clustern zu gehen. Für sehr knappe Termine gibt es die Charette, die mit einem festen Raster arbeitet.

Ein Beispiel

Angenommen, das Team einer Stadtbibliothek will verstehen, warum Jugendliche die Lernplätze im Obergeschoss kaum nutzen. Zwei Leute aus dem Team haben an drei Nachmittagen mit Schülerinnen und Schülern gesprochen, eine dritte Person hat den Eingangsbereich beobachtet. Fünf weitere Kolleginnen waren nicht dabei.

Im Download erzählt die erste Person von einem Gespräch an der Bushaltestelle vor dem Gebäude. Ein Schüler sagt dort, er gehe lieber ins Café gegenüber, „da muss man niemanden fragen“. Die Zuhörenden schreiben: „Geht lieber ins Café“, „Will niemanden fragen müssen“, „Wartet vor der Bibliothek auf den Bus“. Später erzählt die dritte Person, dass am Infotresen alle Jugendlichen, die nach oben wollten, nach ihrem Ausweis gefragt wurden. Beim Sichten hängen die Zettel aus beiden Geschichten nah beieinander. Daraus wird eine Frage für die nächste Phase: Wie können Jugendliche nach oben gehen, ohne jemanden fragen zu müssen?

Woran du einen gelungenen Download erkennst

An der Wand hängen viele kurze, konkrete Zettel, und auf einem Teil davon stehen wörtliche Zitate. Leute, die nicht im Feld waren, können eine der Gesprächspartnerinnen beschreiben und sagen, was ihr wichtig war. In der Runde kam mindestens einmal eine überraschte Nachfrage, die mit „Moment, wirklich?“ beginnt. Und jeder Zettel lässt sich einer Geschichte zuordnen, über ein Kürzel oder eine Farbe je Gespräch.

Ein weiteres gutes Zeichen: Die Erzählenden haben beim Erzählen selbst etwas gemerkt, das ihnen im Gespräch entgangen war. Das passiert oft, wenn Zuhörende eine Verständnisfrage stellen. Halte solche Momente auf einem eigenen Zettel fest.

Quellen

Häufige Fragen

Was ist ein Research-Download?

Ein Format, in dem Teammitglieder ihre Eindrücke aus Interviews und Beobachtungen als Geschichten erzählen. Die Zuhörenden schreiben mit, eine Beobachtung pro Zettel. So wird aus dem Wissen Einzelner Wissen fürs ganze Team.

Wer schreibt beim Research-Download mit?

Die Zuhörenden. Die erzählende Person erzählt frei, konkret und mit Zitaten, wie einem Freund. Die anderen halten fest, was passiert ist, und heben die Deutung für später auf.

Was kommt nach dem Research-Download?

Ihr sichtet die Zettel und markiert, was mehrfach auftaucht oder überrascht. Das ist Rohmaterial für das Clustern, etwa im Affinity Diagramming, oder für ein Point-of-View-Statement.

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