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Affinity Diagramming

Große Mengen Beobachtungen und Research-Schnipsel still von unten nach oben zu Themen verdichten — die Struktur entsteht aus dem Material.

Auch bekannt als Affinitätsdiagramm, Affinity Mapping, KJ-Methode.

Dauer
30–90 Min
Gruppe
3–16 Personen
Phase
Standpunkt beziehen
Anlass
Nutzer & Zielgruppe verstehen, Innovation & neue Ideen, Strategie & Zukunft

Wann Affinity Diagramming passt

Nimm sie, wenn …

  • Nach einer Interviewphase liegt ein Berg Notizen auf dem Tisch und niemand sieht das Muster.
  • Das Team soll gemeinsam erkennen, was im Research steckt, ohne dass eine Person die Deutung vorgibt.
  • Du willst wissen, welche Themen im Material dick sind und welche dünn.

Lass sie liegen, wenn …

  • Du willst aus vielen Ideen die besten auswählen. Dafür ist Clustern + Dot-Voting gemacht; beim Affinity Diagramming wird nicht abgestimmt.
  • Es liegen erst ein paar Notizen vor. Dann lohnt das Gruppieren kaum; holt mit einem Research-Download (Storytelling) erst alles aus den Köpfen.

Schritt für Schritt

Stell Zeit und Gruppengröße ein, der Ablauf rechnet mit. Im Agenda Maker passiert dasselbe, wenn du die Blockdauer änderst.

30 Minuten für 8 Personen
  1. 1
    Material an die Wand & Regel erklären5 Min

    Alle Zettel sichtbar aufhängen. Regel: still verschieben, was zusammengehört — ohne Absprache.

  2. 2
    Still gruppieren (alle gleichzeitig)5 Min

    Zettel dürfen mehrfach wandern. Wenn zwei Personen hin- und herschieben: liegen lassen, später klären.

  3. 3
    Gruppen benennen10 Min

    Pro Gruppe eine Überschrift mit echter Erkenntnis — „Vertrauen fehlt beim Bezahlen“ statt „Bezahlung“.

  4. 4
    Muster & Lücken festhalten10 Min

    Welche Themen sind dick, welche dünn? Wo widerspricht sich das Material? Das ist der Ertrag.

Was du sagst

Alle Zettel hängen an der Wand. Schiebt still zusammen, was zusammengehört, alle gleichzeitig. Wenn ihr anderer Meinung seid, schiebt ihr weiter. Benannt wird am Schluss.

Der Satz, mit dem du den Block eröffnest. In eckigen Klammern steht, was du mit deinem Thema füllst. Im Agenda Maker liegt er im Feld „Moderation".

Woran es in der Praxis hakt

  • Kategorien vorher festlegen — dann sortiert man in Schubladen statt Muster zu finden. Die Gruppen müssen aus dem Material wachsen.
  • Reden beim Gruppieren: Wer laut argumentiert, ankert die anderen. Erste Runde still, diskutiert wird danach.
  • Nicht mit „Clustern + Dot-Voting“ verwechseln: Affinity verdichtet Research zu Erkenntnissen, Clustern sortiert Ideen zur Auswahl. Hier wird nichts abgestimmt.
  • Zettel mit ganzen Absätzen lassen sich nicht gruppieren — vorher auf eine Aussage pro Zettel eindampfen.

Mehr zu Affinity Diagramming

Hintergrund, Beispiele und Varianten. Lesezeit etwa 2 Minuten.

Affinity Diagramming ist die Methode für den Moment, in dem das Team vor hundert Beobachtungs-Zetteln steht und niemand mehr durchblickt: Alle gruppieren still, was zusammengehört — und aus dem Material wachsen Muster, die vorher unsichtbar waren. Hier: die Anleitung für 60 Minuten, der Unterschied zum Clustern, und warum die Stille der wichtigste Teil der Methode ist.

Was ist Affinity Diagramming? (Definition)

Affinity Diagramming (auch: Affinitätsdiagramm) ist eine Synthese-Methode: Beobachtungen, Zitate und Notizen aus der Nutzerforschung werden — jede Aussage auf einem eigenen Zettel — nach inhaltlicher Verwandtschaft gruppiert. Die Gruppen entstehen dabei aus dem Material; vorher festgelegte Kategorien gibt es nicht. Genau das unterscheidet die Methode vom Sortieren in Schubladen: Sie findet Muster, die noch niemand benannt hat.

Das Ergebnis sind Themen-Gruppen mit sprechenden Überschriften, aus denen das Team Erkenntnisse ableitet — die Grundlage für Personas, Problem Statements und Wie-können-wir-Fragen.

Affinity Diagramming: die Anleitung (60 Minuten)

  1. Material an die Wand, Regel erklären (5 Min): Alle Zettel sichtbar aufhängen — eine Aussage pro Zettel. Die Regel: still verschieben, was zusammengehört, ohne Absprache.
  2. Still gruppieren, alle gleichzeitig (35 Min): Zettel dürfen mehrfach wandern — auch die, die jemand anderes gerade platziert hat. Wenn zwei Personen einen Zettel hin- und herschieben: liegen lassen, später klären. Die Stille ist keine Marotte: Wer laut argumentiert, ankert die anderen auf die eigene Deutung.
  3. Gruppen benennen (10 Min): Jetzt wird geredet. Pro Gruppe eine Überschrift mit echter Erkenntnis — „Vertrauen fehlt beim Bezahlen" statt „Bezahlung".
  4. Muster und Lücken festhalten (10 Min): Welche Themen sind dick, welche dünn? Wo widerspricht sich das Material? Das ist der eigentliche Ertrag — schriftlich sichern.

Material: die Research-Notizen auf Klebezetteln (Voraussetzung), eine große freie Wandfläche, Marker für die Überschriften.

Beispiel

Ein Team hat zwölf Interviews zur Nutzung eines Bürgerservice-Portals geführt — rund 120 Aussagen-Zettel. Beim stillen Gruppieren entstehen unter anderem die Gruppen „Ich weiß nicht, ob es geklappt hat" (Bestätigungen fehlen), „Amtsdeutsch als Hürde" und „Zweitgerät-Problem" (Unterlagen liegen auf dem PC, beantragt wird am Handy). Keine dieser Kategorien stand vorher fest — sie sind aus dem Material gewachsen. Die dickste Gruppe wird zur Grundlage des Problem Statements.

Die 4 typischen Stolperfallen

  • Kategorien vorher festlegen. Dann sortiert das Team in Schubladen, statt Muster zu finden. Die Gruppen müssen aus dem Material wachsen.
  • Reden beim Gruppieren. Die erste Runde ist still — diskutiert wird beim Benennen.
  • Ganze Absätze auf einem Zettel. Lässt sich nicht gruppieren. Vorher eindampfen: eine Aussage pro Zettel.
  • Mit Clustern + Dot-Voting verwechseln. Affinity verdichtet Research zu Erkenntnissen — hier wird nichts abgestimmt. Clustern sortiert Ideen zur Auswahl.

Wo die Methode im Prozess sitzt

Affinity Diagramming ist das Herzstück der Synthese-Phase: nach Interviews, Beobachtung und What-How-Why-Auswertungen, vor Persona und Point of View. Alle Methoden für alle sechs Phasen: der große Design-Thinking-Methodenkatalog.

Häufige Fragen

Was ist Affinity Diagramming?

Du hängst Research-Notizen an die Wand, und die Gruppe schiebt still zusammen, was zusammengehört. Die Themen wachsen aus dem Material, Kategorien legst du vorher keine fest. Am Ende bekommt jede Gruppe eine Überschrift mit einer echten Erkenntnis.

Was ist der Unterschied zwischen Affinity Diagramming und Clustern?

Affinity Diagramming verdichtet Research zu Erkenntnissen. Beim Clustern ordnest du Ideen, um danach eine Auswahl zu treffen. Abgestimmt wird beim Affinity Diagramming nicht.

Wie lange dauert Affinity Diagramming?

Plane 30 bis 90 Minuten, je nach Menge des Materials. Den größten Teil nimmt das stille Gruppieren ein. Danach benennt ihr die Gruppen und haltet Muster und Lücken fest.

Ab wie vielen Zetteln lohnt sich Affinity Diagramming?

Ab etwa 30 bis 40 Aussagen. Darunter reicht es, das Material gemeinsam durchzusprechen. Auch mehrere hundert Zettel lassen sich still gruppieren, dann in mehreren Runden.

Geht Affinity Diagramming auch online?

Ja. Auf einem digitalen Whiteboard wird jede Aussage ein Zettel, und alle schieben gleichzeitig. Die Regel, still zu arbeiten, hältst du als Moderation durch; online fällt das leichter.

Was ist der Unterschied zwischen Affinity Diagramming und Card Sorting?

Beim Card Sorting ordnen Nutzer:innen vorhandene Inhalte, etwa für eine Navigation, und die Karten stehen vorher fest. Beim Affinity Diagramming ordnet das Team sein eigenes Material aus Interviews und Beobachtungen. Die Struktur entsteht dabei erst.

Im Vergleich: Clustern oder Affinity Diagramming?

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