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Problem Statement

Die Synthese-Erkenntnisse zu einem Satz verdichten: Wer braucht was, und welche Einsicht steckt dahinter? Der Satz, an dem sich die ganze Ideation ausrichtet.

Auch bekannt als Problemstellung, Problem-Definition.

Dauer
30–60 Min
Gruppe
2–12 Personen
Phase
Verstehen
Anlass
Auftakt & Teamstart, Innovation & neue Ideen, Strategie & Zukunft

Wann Problem Statement passt

Nimm sie, wenn …

  • Nach der Synthese: Viele Erkenntnisse liegen vor, und das Team braucht den einen Satz, an dem sich die Ideenphase ausrichtet.
  • Ein Projekt dreht sich im Kreis, weil jede Person ein anderes Problem im Kopf hat.

Lass sie liegen, wenn …

  • Die Lösung ist politisch schon beschlossen. Dann wird das Statement zur nachgeschobenen Begründung einer Entscheidung.
  • Es fehlen echte Einsichten aus Beobachtung oder Interviews. Dann steht im Weil-Teil eine Vermutung.

Schritt für Schritt

Stell Zeit und Gruppengröße ein, der Ablauf rechnet mit. Im Agenda Maker passiert dasselbe, wenn du die Blockdauer änderst.

30 Minuten für 8 Personen
  1. 1
    Erkenntnisse sichten10 Min

    Persona und die stärksten Synthese-Erkenntnisse nochmal laut durchgehen — alle auf denselben Stand bringen.

  2. 2
    Statements entwerfen10 Min

    In Paaren je 2–3 Entwürfe nach dem Satz-Gerüst bauen.

  3. 3
    Schärfen & entscheiden10 Min

    Entwürfe nebeneinander hängen, Stärken kombinieren, mit Dot-Voting oder Konsent auf EINEN Satz einigen.

Was du sagst

Schaut auf das, was wir herausgefunden haben, und schreibt einen Satz: Wer braucht was, und was steckt dahinter? Zwei, drei Fassungen pro Person. Danach wählen wir eine.

Der Satz, mit dem du den Block eröffnest. In eckigen Klammern steht, was du mit deinem Thema füllst. Im Agenda Maker liegt er im Feld „Moderation".

Woran es in der Praxis hakt

  • Die Lösung versteckt sich schon im Statement („… braucht eine App, die …“) — das Statement beschreibt das Problem, den Lösungsraum lässt es offen.
  • Zu breit („Menschen brauchen bessere Kommunikation“) oder zu eng — der Test: Lassen sich 10 verschiedene Ideen dazu brainstormen, und wäre trotzdem erkennbar, ob eine danebenliegt?
  • Beobachtung statt Einsicht im Weil-Teil — „weil sie wenig Zeit hat“ ist Beobachtung; die Einsicht erklärt, warum es weh tut.

Mehr zu Problem Statement

Hintergrund, Beispiele und Varianten. Lesezeit etwa 3 Minuten.

Ein Problem Statement ist ein einzelner Satz, der die Erkenntnisse aus Interviews und Beobachtungen bündelt: wer etwas braucht, was es ist und welche Einsicht dahintersteckt. Im Design Thinking steht er zwischen Verstehen und Ideenfindung. Alles, was das Team bis dahin gehört und gesehen hat, läuft in diesem Satz zusammen. Alles, was danach entsteht, wird an ihm gemessen.

Wo der Satz im Prozess steht

Davor liegt die Synthese. Das Team hat Gespräche geführt, sich die Geschichten gegenseitig erzählt und das Material sortiert, zum Beispiel mit einem Research-Download und anschließendem Affinity Diagramming. Oft hängt schon eine Persona an der Wand. Das Problem Statement greift die stärkste Einsicht heraus und macht daraus einen Auftrag.

Danach kommt die Übersetzung in Fragen. Aus dem Statement werden How-Might-We-Fragen, und mit denen startet das Brainstorming. Je klarer der Satz, desto leichter fallen diese Fragen. Ein schwammiges Statement erzeugt schwammige Fragen, und die Ideen passen am Ende auf fast alles.

Leicht verwechselt wird das Problem Statement mit der Design Challenge. Die Design Challenge steht am Anfang eines Projekts und beschreibt das Feld, bevor jemand dort war. Das Problem Statement kommt später und speist sich aus dem, was das Team im Feld gefunden hat.

Wie du an die Einsicht kommst

Der Weil-Teil ist der schwierigste Teil des Satzes. Eine Einsicht verbindet mehrere Beobachtungen und erklärt sie. Ein guter Weg dahin: Leg zwei Beobachtungen nebeneinander, die nicht zusammenpassen. Eine Befragte sagt, Zeit sei ihr größtes Problem. In der Beobachtung verbringt sie eine halbe Stunde damit, Unterlagen zu sortieren, die sie am Ende gar nicht braucht. Die Frage „Warum tut sie das?“ führt oft direkt zur Einsicht.

Hilfreich ist auch die Schichtung aus What? How? Why?: Was sehe ich, wie geschieht es, und warum geschieht es so? Die Antwort auf die dritte Frage ist ein guter Kandidat für den Weil-Teil.

Eine Einsicht überrascht das Team ein wenig. Wenn alle nicken und sagen „wussten wir doch“, steht im Satz vermutlich eine Annahme von vor dem Projekt.

Varianten

Mit wenig Zeit. Jede Person schreibt still einen eigenen Entwurf. Danach hängen alle Entwürfe nebeneinander, und die Gruppe wählt per Dot-Voting den Satz, an dem sie weiterarbeitet. Zehn Minuten Schärfen im Plenum genügen dann meist.

Mit einer großen Gruppe. Mehrere Kleingruppen arbeiten parallel, jede mit einer eigenen Persona oder einem eigenen Erkenntnis-Cluster. Am Ende liegen mehrere Statements vor. Das ist in Ordnung, wenn das Projekt mehrere Stränge verkraftet. Sonst entscheidet das Team, welcher Strang zuerst dran ist.

Online. Ein gemeinsames Dokument mit dem Satzgerüst als Tabelle: eine Spalte für die Person, eine für das Bedürfnis, eine für die Einsicht. So lassen sich Teile aus verschiedenen Entwürfen leicht neu kombinieren.

Ein Beispiel

Angenommen, ein Team soll die Anmeldung zu Kinderkursen in einem Sportverein vereinfachen. In den Interviews erzählen mehrere Eltern, dass sie Kursplätze über eine Messenger-Gruppe absprechen, obwohl es ein Anmeldeformular gibt. Erster Entwurf: „Eltern brauchen eine einfachere Anmeldung, weil das Formular kompliziert ist.“ Das klingt plausibel, erklärt aber wenig. Woran genau hakt es?

Beim zweiten Blick in die Notizen fällt etwas auf. Die Eltern melden ihre Kinder fast nie allein an. Sie stimmen sich vorher ab, wer mit wem in den Kurs geht, weil sich die Fahrgemeinschaften danach richten. Zweiter Entwurf: „Eltern von Grundschulkindern brauchen eine Möglichkeit, Kursplätze gemeinsam mit anderen Familien zu sichern, weil an der Kurswahl die Organisation ihrer ganzen Woche hängt.“

Zu diesem Satz fallen dem Team sofort unterschiedliche Ideen ein. Gleichzeitig ist klar, dass ein hübscheres Formular allein das Problem kaum löst.

Was du danach mit dem Satz machst

Schreib das Statement groß auf und häng es dort auf, wo die Ideenphase stattfindet. Lies es zu Beginn jeder Session vor. Wenn später Ideen bewertet werden, ist das Statement das erste Kriterium: Hilft die Idee dieser Person bei diesem Bedürfnis?

Und wenn Tests zeigen, dass die Einsicht nicht stimmt, überarbeitest du den Satz. Er ist ein Arbeitsstand aus der Synthese und darf sich mit neuen Erkenntnissen ändern. Halte alte Fassungen mit Datum fest. So sieht das Team später, wie sich sein Verständnis des Problems entwickelt hat.

Häufige Fragen

Was ist ein Problem Statement im Design Thinking?

Ein Satz, der die Synthese zusammenfasst: Wer braucht was, und welche Einsicht steckt dahinter? Er beschreibt das Problem und lässt den Lösungsraum offen. An ihm richtet sich die ganze Ideenphase aus.

Wie lautet die Formel für ein Problem Statement?

[Nutzer:in] braucht [Bedürfnis], weil [Einsicht]. Im Weil-Teil steht eine Einsicht. „Weil sie wenig Zeit hat“ beschreibt nur; „weil jede Unterbrechung sie den Faden kostet“ erklärt, warum es weh tut.

Was ist der Unterschied zwischen Problem Statement und Point of View?

Beide verdichten die Erkenntnisse zu einem Satz nach derselben Formel. Der Point of View betont die Haltung des Teams gegenüber einer Person, das Problem Statement das Problem selbst. In der Praxis sind sie austauschbar.

Im Vergleich: POV-Statement oder Problem Statement?

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