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Collective Notebook

Ideenfindung über Tage statt Minuten: Eine feste Frage, ein geteiltes Notizbuch, alle tragen still ein — der Workshop-Block setzt das Notebook auf und startet die erste Runde.

Auch bekannt als Ideen-Tagebuch, CNB-Methode.

Dauer
20–45 Min
Gruppe
ab 3 Personen
Phase
Ideen finden
Anlass
Innovation & neue Ideen

Wann Collective Notebook passt

Nimm sie, wenn …

  • Eine Frage braucht Zeit zum Nachdenken, und gute Ideen kommen erst unter der Dusche oder im Zug.
  • Das Team arbeitet verteilt und findet keinen gemeinsamen Termin für eine lange Ideenrunde.
  • Nach einem Workshop soll das Nachdenken bis zum nächsten Treffen weiterlaufen.

Lass sie liegen, wenn …

  • Ihr braucht heute noch Ergebnisse. Das Notebook läuft über Tage; im Raum nimm Brainwriting 6-3-5.
  • Die Frage ist noch offen und unscharf. Ohne präzise Frage wird das Notebook ein Sammelalbum; formuliere zuerst How-Might-We-Fragen.

Schritt für Schritt

Stell Zeit und Gruppengröße ein, der Ablauf rechnet mit. Im Agenda Maker passiert dasselbe, wenn du die Blockdauer änderst.

30 Minuten für 8 Personen
  1. 1
    Frage festlegen & Regeln klären10 Min

    Eine Frage, Laufzeit (z. B. 5 Arbeitstage), Rhythmus (täglich 1 Eintrag), keine Kommentare bis zur Ernte.

  2. 2
    Notebook aufsetzen5 Min

    Format wählen (Heft, Whiteboard, Doc), Frage auf Seite 1, Ernte-Termin in die Kalender.

  3. 3
    Erste stille Runde15 Min

    Alle schreiben den ersten Eintrag direkt im Workshop — der Anfang ist gemacht, die Hürde für Tag 2 sinkt.

Was du sagst

Ab heute liegt ein gemeinsames Notizbuch zu [Frage] aus. Tragt [Zeitraum] lang alles ein, was euch dazu einfällt. Die erste Runde machen wir jetzt gleich, still.

Der Satz, mit dem du den Block eröffnest. In eckigen Klammern steht, was du mit deinem Thema füllst. Im Agenda Maker liegt er im Feld „Moderation".

Woran es in der Praxis hakt

  • Keine feste Frage — ohne präzise Frage wird das Notebook ein Sammelalbum. Die Frage steht auf Seite 1 und ändert sich nicht.
  • Kein Ernte-Termin — ohne festes Ende schläft das Notebook ein. Termin für die Auswertung sofort in alle Kalender.
  • Einträge kommentieren oder bewerten — das Notebook lebt von unzensiertem Nachdenken. Diskutiert wird erst bei der Ernte.

Mehr zu Collective Notebook

Hintergrund, Beispiele und Varianten. Lesezeit etwa 4 Minuten.

Das Collective Notebook ist eine Methode der Ideenfindung, bei der mehrere Menschen über Tage oder Wochen zu einer festen Frage Einfälle in ein Notizbuch schreiben, jede Person für sich, und die Ideen erst am Ende gemeinsam auswerten. Es gehört zur Familie des Brainwriting: Ideen entstehen schriftlich und still. Der Unterschied zu den schnellen Formaten im Raum liegt in der Zeit. Das Notebook gibt dem Kopf Gelegenheit, nebenbei weiterzuarbeiten, beim Einkaufen, im Zug, am nächsten Morgen.

Woher die Methode kommt

Die deutschsprachige Wikipedia nennt John Haefele als Erfinder und Charles Hutchison Clark als den, der die Methode eingeführt hat. In der klassischen Form bekommt jede beteiligte Person ein eigenes Heft mit der Problembeschreibung und schreibt über einen längeren Zeitraum ihre Gedanken hinein, laut Wikipedia meist zwei bis vier Wochen. Am Ende fasst jede Person ihre besten Ideen zusammen, eine koordinierende Person sammelt die Hefte ein, und die Gruppe wertet gemeinsam aus. Die Workshop-Fassung auf dieser Seite verkürzt die Laufzeit und legt alle Einträge in ein geteiltes Notizbuch.

Wo das Notebook im Prozess steht

Vorher braucht es eine geschärfte Frage. Gut eignen sich How-Might-We-Fragen, die aus einer Problemdefinition entstanden sind. Eine solche Frage ist offen genug für viele Antworten und eng genug, dass die Antworten vergleichbar bleiben.

Das Notebook läuft dann zwischen zwei Terminen. Im ersten Workshop startet es, im zweiten wird geerntet. In der Zwischenzeit kann ein schnelles Format wie Brainwriting 6-3-5 in einem anderen Termin danebenlaufen. Beide Sammlungen kommen bei der Ernte zusammen.

Was einen guten Eintrag ausmacht

Ein Eintrag darf roh sein: ein halber Satz, eine Skizze, eine Beobachtung aus dem Alltag, die zur Frage passt. Hilfreich ist ein Datum und, im geteilten Notebook, ein Kürzel. So lässt sich später nachfragen.

Wer nach ein paar Tagen das Gefühl hat, leer zu sein, kann mit kleinen Impulsen arbeiten. Eine Frage aus SCAMPER („Was könnten wir weglassen?“) öffnet neue Richtungen. Ein Blick in eine fremde Branche über den Analogie-Transfer bringt oft Einfälle, auf die niemand am Schreibtisch gekommen wäre. Manche Teams legen für jeden Tag einen solchen Impuls auf eine Seite des Notebooks, ohne die Frage selbst zu verändern.

Ein durchgespieltes Beispiel

Angenommen, das Team eines Stadtteilzentrums arbeitet in Schichten und findet keinen gemeinsamen Termin für eine lange Ideenrunde. Die Frage lautet: „Wie könnten wir ältere Nachbar:innen erreichen, die noch nie bei uns waren?“ Im Teammeeting am Montag wird ein Heft an die Kaffeemaschine gelegt, daneben ein Stift. Alle schreiben ihren ersten Eintrag sofort.

In den folgenden Tagen füllen sich die Seiten. Eine Kollegin aus dem Spätdienst notiert, dass im Supermarkt gegenüber vormittags dieselben Gesichter an der Kasse stehen. Ein anderer schreibt dazu, ohne Kommentar, eine eigene Idee: ein Infotisch genau dort, einmal im Monat. Am Freitag im nächsten Meeting liest jede Person ihre zwei liebsten Einträge vor. Dann werden die Ideen geclustert und bewertet.

Varianten für deine Lage

Physisches Heft. Funktioniert, wenn alle denselben Ort regelmäßig passieren. Der Ablageort muss sichtbar sein und darf nicht wandern.

Geteiltes Dokument. Für verteilte Teams. Legt eine Seite pro Tag an, damit die Einträge eine Ordnung haben. Benachrichtigungen bei neuen Einträgen solltet ihr abschalten, sonst wird das Notebook zum Chat.

Whiteboard-Ecke. In einer Online-Fläche bekommt jede Person eine Spalte. So bleibt das Schreiben still, und bei der Ernte liegen alle Zettel schon auf derselben Fläche.

Eigene Hefte. Die klassische Form mit einem Heft pro Person passt, wenn die Frage persönlich ist oder wenn sich einzelne Beteiligte nicht gegenseitig beeinflussen sollen.

Wie die Ernte läuft

Plant für die Ernte so viel Zeit wie für den Start, eher mehr. Zuerst liest jede Person still alle Einträge. Dann wählt jede Person ihre stärksten Ideen und schreibt sie auf eigene Zettel. Das Team gruppiert die Zettel mit Clustern + Dot-Voting und gewichtet sie. Wenn zwischen machbaren und mutigen Ideen unterschieden werden soll, hilft die How-Wow-Now-Matrix.

Woran du ein gutes Ergebnis erkennst

Die Einträge verteilen sich über die ganze Laufzeit und stammen von fast allen Beteiligten. Es gibt Ideen, die erkennbar auf früheren Einträgen aufbauen. Und bei der Ernte tauchen Ansätze auf, die in einer einzelnen Sitzung kaum entstanden wären, weil sie eine Beobachtung aus dem Alltag brauchten.

Was du mit dem Ergebnis danach machst

Die ausgewählten Ideen gehen in die nächste Phase: Skizze, Prototyp, Test. Das Notebook selbst hebt ihr auf. Es ist ein Archiv von Gedanken, das sich bei der nächsten verwandten Frage wieder lesen lässt.

Quellen

Häufige Fragen

Was ist die Collective-Notebook-Methode?

Eine Ideenfindung über mehrere Tage. Alle Beteiligten schreiben zu einer festen Frage regelmäßig still in ein geteiltes Notizbuch, ein Heft oder ein Doc. Diskutiert und bewertet wird erst beim vereinbarten Ernte-Termin.

Wie lange läuft ein Collective Notebook?

Die Laufzeit legt ihr am Anfang fest, zum Beispiel fünf Arbeitstage mit einem Eintrag pro Tag. Wichtig ist der feste Ernte-Termin im Kalender. Ohne Ende schläft das Notebook ein.

Darf man Einträge im Collective Notebook kommentieren?

Bis zur Ernte nicht. Das Notebook lebt davon, dass alle unzensiert nachdenken können. Kommentare und Bewertungen kommen erst beim Auswertungstermin auf den Tisch.

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