Grenz-Kritik

Die Gruppe prüft ihre Systemgrenze mit vier Fragen, zuerst für heute, dann für den Wunsch: Wem nützt es, wer entscheidet, wer weiß Bescheid, wer ist betroffen und sitzt nicht am Tisch? Die Lücke zwischen beiden Antworten zeigt, wo die Grenze verschoben werden sollte.

Auch bekannt als Systemgrenze hinterfragen, Grenzfragen, Wer fehlt am Tisch, Critical Systems Heuristics.

Dauer
30–75 Min
Gruppe
3–16 Personen
Schritt
Rahmen
Anlass
Strategie & Zukunft, Spannungen & heikle Themen, Entscheidung herbeiführen

Wann Grenz-Kritik passt

Nimm sie, wenn …

  • Eine Systemkarte steht, und es ist unklar, wer alles am Tisch sitzen müsste.
  • Eine Entscheidung betrifft viele, die nicht gefragt wurden, und die Gruppe will das offen ansehen.
  • Vor einem Eingriff: Wer trägt die Folgen, und wer wurde gehört?

Lass sie liegen, wenn …

  • Die Grenze wird gerade erst gezogen. Dann zuerst Systemgrenze ziehen, die Kritik kommt danach.
  • Es geht um Schuld. Die Fragen decken auf, wer fehlt; sie sind kein Mittel zur Anklage.

Schritt für Schritt

Stell Zeit und Gruppengröße ein, der Ablauf rechnet mit. Im Agenda Maker passiert dasselbe, wenn du die Blockdauer änderst.

30 Minuten für 8 Personen
  1. 1
    Die Grenze aufschreiben5 Min

    Was gehört heute zum System, was liegt draußen? Zwei Listen.

  2. 2
    Vier Fragen für heute10 Min

    Wem nützt es? Wer entscheidet? Wer weiß Bescheid? Wer ist betroffen und wird nicht gefragt? Je Frage ein, zwei Zettel.

  3. 3
    Wer fehlt am Tisch10 Min

    Alle, die betroffen sind und nicht mitreden, mit Namen oder als Gruppe. Wer sollte beim nächsten Mal dabei sein?

  4. 4
    Grenze neu ziehen5 Min

    Eine Zeile zur Grenze: Was kommt hinein, was wird bewusst draußen gelassen? Die neue Fassung kommt an die Karte.

Was du sagst

Wir prüfen, wo unsere Grenze verläuft. Vier Fragen, einmal für heute, einmal für das, was wir wollen: Wem nützt es, wer entscheidet, wer weiß Bescheid, wer ist betroffen und sitzt nicht am Tisch? Die Lücke dazwischen schauen wir uns an.

Der Satz, mit dem du den Block eröffnest. In eckigen Klammern steht, was du mit deinem Thema füllst. Im Agenda Maker liegt er im Feld „Moderation".

Woran es in der Praxis hakt

  • Die Betroffenen werden abgekürzt. Wer ausbaden muss, was andere entscheiden, kommt mit Namen aufs Papier, auch wenn er nicht am Tisch sitzt.
  • Die Gruppe verteidigt die bestehende Grenze. Darum laufen die Fragen zuerst für den Ist-Zustand und dann für den Wunsch; die Lücke dazwischen ist der Befund.
  • Es geht nur um Personen. Auch Natur, künftige Generationen und Kund:innen von morgen sind betroffen, ohne am Tisch zu sitzen.
  • Aus dem Befund wird eine Anklage. Die Fragen sind für das Aufdecken da, die Folgen besprecht ihr danach in Ruhe.

Häufige Fragen

Was ist eine Grenz-Kritik?

Die Gruppe prüft ihre Systemgrenze mit vier Fragen: Wem nützt es, wer entscheidet, wer weiß Bescheid, wer ist betroffen und wird nicht gefragt? Die Fragen laufen zweimal, für heute und für den Wunsch. Die Lücke dazwischen zeigt, wo die Grenze verschoben werden sollte.

Wann prüft man die Grenze?

Nach dem ersten Entwurf der Systemkarte und vor den Eingriffen. Dann lässt sich die Grenze noch verschieben, ohne dass die Karte neu gezeichnet werden muss.

Wer gehört auf die Liste der Betroffenen?

Alle, die von den Folgen betroffen sind, ohne mitzureden: Kund:innen, Nachbarn, Beschäftigte in Zulieferketten, auch Natur und künftige Generationen. Auf die Liste kommen Namen oder konkrete Gruppen.

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