Systemgrenze ziehen
Vor jeder Karte klären, was dazugehört: die Leitfrage, was innen und was außen liegt, welcher Zeitraum zählt und aus wessen Sicht. Eine Karte ohne Grenze zeigt alles und deshalb nichts.
Auch bekannt als Systemabgrenzung, Boundary Setting, Grenzfrage, Scoping der Systemkarte.
- Dauer
- 15–45 Min
- Gruppe
- 2–20 Personen
- Schritt
- Rahmen
- Anlass
- Strategie & Zukunft, Auftakt & Teamstart
Wann Systemgrenze ziehen passt
Nimm sie, wenn …
- Eine Gruppe will eine Systemkarte zeichnen, und jede Person hat ein anderes Problem im Kopf.
- Die Diskussion franst aus, weil alles mit allem zusammenhängt.
- Vor einer Akteurslandkarte oder einem Kausalschleifen-Diagramm, damit klar ist, was auf die Karte gehört.
Lass sie liegen, wenn …
- Die Gruppe weiß noch nicht, welches Problem sie angehen will. Dann zuerst ein Problem Statement, die Grenze kommt danach.
- Es geht um ein klar umrissenes Projekt mit festem Auftrag. Dann reicht es, die Design Challenge zu formulieren; eine Systemgrenze lohnt sich, wenn ein Netz aus Ursachen kartiert werden soll.
Schritt für Schritt
Stell Zeit und Gruppengröße ein, der Ablauf rechnet mit. Im Agenda Maker passiert dasselbe, wenn du die Blockdauer änderst.
- 1Leitfrage formulieren10 Min
Ein Fragesatz mit Verb und Zeitangabe. Reihum vorlesen, bis alle nicken.
- 2Innen und Außen sortieren10 Min
Alles, was der Gruppe zur Frage einfällt, auf Zettel. Jeder Zettel wandert nach innen oder außen. Außen bleibt sichtbar.
- 3Zeitraum und Sichtweise festlegen5 Min
Welche Jahre erklärt die Karte? Wessen Blick fehlt am Tisch? Beides an den Rand schreiben.
- 4Die Grenze aussprechen5 Min
Eine Person fasst zusammen: Wir schauen auf X, für den Zeitraum Y, aus Sicht von Z. Wer widersprechen will, tut es jetzt.
Was du sagst
Bevor wir zeichnen, ziehen wir die Grenze. Schreibt die Leitfrage in die Mitte: [Leitfrage]. Dann entscheidet ihr zusammen, was drinnen liegt, was draußen bleibt, welcher Zeitraum zählt und aus wessen Sicht wir schauen.
Der Satz, mit dem du den Block eröffnest. In eckigen Klammern steht, was du mit deinem Thema füllst. Im Agenda Maker liegt er im Feld „Moderation".
Woran es in der Praxis hakt
- Die Leitfrage ist ein Thema („Fachkräftemangel“). Erst ein Fragesatz mit Verb macht sie prüfbar: Warum finden wir seit zwei Jahren keine Azubis?
- Alles landet innen, weil alles irgendwie zusammenhängt. Die Grenze ist eine Entscheidung. Was außen liegt, wird nicht vergessen, es wird als Randbedingung notiert.
- Der Zeitraum fehlt. Ob die Karte die letzten sechs Monate oder die letzten zehn Jahre erklären soll, ändert jede Variable.
- Nur eine Sichtweise am Tisch. Wer fehlt, dessen Teil des Systems fehlt auch. Die Namen der Fehlenden kommen an den Rand.
Häufige Fragen
Was ist eine Systemgrenze?
Die Festlegung, was zu einer Systembetrachtung dazugehört und was außen bleibt. Dazu gehören eine Leitfrage, ein Zeitraum und die Sichtweise, aus der geschaut wird. Was außen liegt, wird als Randbedingung notiert und bleibt sichtbar.
Warum braucht eine Systemkarte eine Grenze?
Ohne Grenze landet alles auf der Karte, weil irgendwie alles zusammenhängt. Dann lässt sich nichts mehr lesen und keine Schleife finden. Die Grenze ist eine Entscheidung der Gruppe, die sie bewusst trifft und laut ausspricht.
Wie formuliert man eine Leitfrage für Systems Thinking?
Als Fragesatz mit Verb und Zeitangabe, zum Beispiel: Warum finden wir seit zwei Jahren keine Azubis? Ein Stichwort wie Fachkräftemangel reicht nicht, es lässt sich nicht prüfen. Lies die Frage reihum vor, bis alle nicken.
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