Markt-Trend-Analyse
Strukturierter Desk-Research-Block: Trends, Wettbewerber und Signale zum Thema sammeln, clustern und in Implikationen für die eigene Challenge übersetzen.
Auch bekannt als Trendanalyse, Marktanalyse, Desk Research.
- Dauer
- 45–90 Min
- Gruppe
- 2–16 Personen
- Phase
- Verstehen
- Anlass
- Strategie & Zukunft, Innovation & neue Ideen
Wann Markt-Trend-Analyse passt
Nimm sie, wenn …
- Zu Beginn eines Projekts weiß das Team wenig darüber, was im Markt rund um das Thema passiert.
- Ihr wollt Wettbewerber, Technologien und Regulierung in kurzer Zeit überblicken.
- Die Challenge braucht Futter von außen, bevor es an Interviews oder Ideen geht.
Lass sie liegen, wenn …
- Ihr wollt verstehen, was einzelne Nutzer:innen erleben. Das findest du in keiner Recherche am Laptop; sprich mit ihnen im Explorativen Interview.
- Ein konkreter Trend steht fest, und ihr wollt seine Folgen durchdenken. Dann nimm das Futures Wheel.
Schritt für Schritt
Stell Zeit und Gruppengröße ein, der Ablauf rechnet mit. Im Agenda Maker passiert dasselbe, wenn du die Blockdauer änderst.
- 1Suchfelder aufteilen10 Min
Kleingruppen à 2–3 Personen, jede übernimmt ein Suchfeld.
- 2Recherche-Sprint20 Min
Pro Fund ein Zettel: Trend/Signal + Quelle + Jahr. Timebox ernst nehmen — Recherche endet nie von allein.
- 3Clustern & Implikationen15 Min
Funde an der Wand ordnen; pro Cluster einen Satz: „Für unsere Challenge heißt das …“
Was du sagst
Jede Gruppe übernimmt ein Suchfeld: [Suchfelder]. Ihr habt [Zeit] für die Recherche und schreibt jeden Fund auf einen Zettel mit Quelle. Danach clustern wir und fragen, was das für uns heißt.
Der Satz, mit dem du den Block eröffnest. In eckigen Klammern steht, was du mit deinem Thema füllst. Im Agenda Maker liegt er im Feld „Moderation".
Woran es in der Praxis hakt
- Sammeln ohne Frage — vorher festlegen, wofür recherchiert wird, sonst entsteht ein Zettelberg ohne Richtung.
- Zahlen ungeprüft übernehmen — Quelle und Jahr auf jeden Zettel. Eine Zahl ohne Quelle ist eine Vermutung.
- Bei der Beschreibung stehen bleiben — der Wert entsteht erst im „Und deshalb…“: Was heißt der Trend für unsere Challenge?
Mehr zu Markt-Trend-Analyse
Eine Markt-Trend-Analyse im Workshop ist ein begrenzter Recherche-Block, in dem Kleingruppen Trends, Wettbewerber und Signale rund um ein Thema sammeln und daraus ableiten, was sie für die eigene Challenge bedeuten. Sie gehört an den Anfang eines Projekts, in die Phase des Verstehens. Das Team schaut über den eigenen Tellerrand, bevor es mit Menschen spricht oder Ideen entwickelt. Das Ziel ist ein schneller, belegter Überblick in 45 bis 90 Minuten.
Wo die Analyse im Prozess steht
Davor steht eine erste Fassung der Aufgabe. Wer mit einer Design Challenge oder einer Leitfrage startet, weiß, wonach er sucht. Ohne diese Frage wird die Recherche zum Spaziergang durchs Netz.
Danach geht der Blick zu den Menschen. Was sie im Alltag erleben und brauchen, findest du im Explorativen Interview heraus. Oft liefert die Recherche gute Fragen für diese Gespräche. Wenn ein Trend herausragt und ihr seine Folgen durchdenken wollt, schließt sich das Futures Wheel an. Für das Gespräch mit Menschen, die einen Markt seit Jahren kennen, eignet sich das Experteninterview.
Trend, Signal und Mode auseinanderhalten
Nicht jeder Fund an der Wand hat dasselbe Gewicht. Drei Begriffe helfen beim Einordnen.
Ein Trend ist eine Entwicklung, die schon eine Weile läuft und sich an mehreren Stellen zeigt, etwa in Statistiken, in neuen Angeboten und in Gesetzesvorhaben. Ein Signal ist ein einzelnes, frühes Anzeichen: ein neues Start-up, eine Pilotstadt, ein Forenbeitrag, der viele Antworten bekommt. Ob daraus ein Trend wird, ist offen. Eine Mode ist eine Erscheinung, die viel Aufmerksamkeit bekommt und schnell wieder verschwinden kann.
Auf der Trend-Landkarte kannst du die drei mit Farben oder Symbolen markieren. Das macht sichtbar, worauf das Team seine Schlüsse stützt. Viele Signale und wenige Trends heißen: Hier ist noch viel in Bewegung.
Wo du suchst
Die Suchfelder auf den Karten geben die Richtung vor. Innerhalb jedes Feldes helfen ein paar Quellentypen.
- Zahlen und Statistik: statistische Ämter, Branchenverbände, Jahresberichte von Behörden.
- Wettbewerb: Websites, Preislisten, App-Bewertungen und Stellenanzeigen anderer Anbieter. Stellenanzeigen verraten oft, woran ein Unternehmen gerade baut.
- Technologie: Fachpresse, Konferenzprogramme, Förderprogramme.
- Regulierung: Gesetzesentwürfe, Verordnungen, Stellungnahmen von Verbänden.
- Nutzerverhalten: Foren, Kommentarspalten, Bewertungsportale, Suchtrend-Werkzeuge.
Achte auf das Datum. Ein Bericht von vor fünf Jahren beschreibt einen anderen Markt.
Ein Beispiel
Angenommen, ein kommunaler Verkehrsbetrieb plant einen Workshop zur Frage, wie ältere Menschen in ländlichen Gemeinden mobil bleiben können. Zehn Leute aus Planung, Kundenservice und Marketing sind dabei. Sie teilen sich in vier Gruppen mit den Suchfeldern Wettbewerber, Technologien, Nutzerverhalten und Regulierung.
Die Gruppe Wettbewerber findet Rufbus-Angebote in anderen Landkreisen und private Fahrdienste aus der Nachbarschaftshilfe. Die Technologie-Gruppe notiert Buchungs-Apps für Bedarfsverkehre, aber auch telefonische Buchung als Rückfall. Die Gruppe Nutzerverhalten findet in regionalen Foren Beiträge, in denen Angehörige Fahrten für ihre Eltern organisieren. Beim Clustern steht ein Satz besonders im Raum: „Für unsere Challenge heißt das: Wer bucht, ist oft gar nicht die Person, die fährt.“ Daraus wird eine neue Frage für die Interviews, und die Angehörigen kommen als eigene Gruppe auf die Stakeholder-Liste.
Varianten
Als Hausaufgabe vorab recherchieren die Teilnehmenden ein paar Tage vor dem Workshop in ihren Suchfeldern. Im Workshop bleibt dann mehr Zeit für das Clustern und die Folgerungen.
Online arbeitet jede Gruppe auf einem eigenen Bereich eines digitalen Whiteboards. Links zu den Quellen kommen direkt auf den Zettel.
Mit vielen Teilnehmenden verteilst du dieselben Suchfelder an zwei Gruppen. Wo beide Gruppen unabhängig voneinander dasselbe finden, ist der Befund belastbarer.
Was du mit der Trend-Landkarte machst
Die Sätze „Für unsere Challenge heißt das …“ sind das eigentliche Ergebnis. Sie lassen sich direkt in How-Might-We-Fragen übersetzen. Wer die Funde in Chancen und Risiken einordnen will, legt sie in eine SWOT-Analyse. Neue Akteure, die bei der Recherche auftauchen, gehören auf die Stakeholder-Map.
Die Landkarte selbst kannst du als Foto oder auf dem Whiteboard aufheben. Nach einigen Monaten lohnt ein zweiter Blick: Welche Signale sind zu Trends geworden, welche sind verschwunden? So schreibt das Team die Recherche über das Projekt hinweg fort.
Quellen
Häufige Fragen
Was ist eine Markt-Trend-Analyse im Workshop?
Ein strukturierter Recherche-Block am Laptop oder Smartphone. Kleingruppen übernehmen je ein Suchfeld wie Wettbewerber, Technologien, Nutzerverhalten oder Regulierung. Die Funde werden geclustert und in Folgen für die eigene Challenge übersetzt.
Wie lange dauert eine Trendanalyse im Workshop?
Plane 45 bis 90 Minuten ein. Der Recherche-Sprint braucht eine feste Timebox, weil Recherche nie von allein endet. Am Ende stehen das Clustern und ein Satz pro Cluster: Was heißt das für uns?
Wie dokumentiert man Funde aus der Desk Research?
Ein Fund pro Zettel, mit Trend oder Signal, Quelle und Jahr. Eine Zahl ohne Quelle ist eine Vermutung. So bleibt später nachvollziehbar, woher eine Aussage kommt.
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