Entscheidungsmethoden für Gruppen
Methoden, mit denen eine Gruppe aus vielen Optionen auswählt, Prioritäten setzt oder einen Vorschlag beschließt. Manche gehen in fünf Minuten, manche prüfen Risiken gründlich.
- Methoden
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- Je Methode
- Ablauf, Zeiten, Material
Analysieren & Strukturieren
Grenz-KritikDie Gruppe prüft ihre Systemgrenze mit vier Fragen, zuerst für heute, dann für den Wunsch: Wem nützt es, wer entscheidet, wer weiß Bescheid, wer ist betroffen und sitzt nicht am Tisch? Die Lücke zwischen beiden Antworten zeigt, wo die Grenze verschoben werden sollte.Hebelpunkte findenEingriffe nach ihrer Tiefe sortieren: An Zahlen drehen wirkt wenig, Regeln ändern mehr, Ziele und Denkweisen am meisten. Die Gruppe legt ihre Ideen auf die Leiter und sieht, wo sie bisher nur an Symptomen zog.Pre-MortemGedankensprung ins gescheiterte Projekt: „Es ist krachend schiefgegangen — warum?“ Macht Risiken aussprechbar, bevor sie eintreten (Gary Klein, 2007).SWOT-Analyse (Kurzformat)Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken auf vier Feldern — mit der entscheidenden Zusatzrunde: Was verstärken wir, was sichern wir ab? Ohne die bleibt SWOT ein Sammelalbum.Ursache-Wirkungs-Diagramm (Fischgräte)Ein Problem steht im Kopf des Fisches, an den Gräten sammelt die Gruppe Ursachen nach Bereichen und fragt bei jeder weiter. So gräbt sie tiefer als bis zur ersten Erklärung und landet bei Ursachen, an denen sich etwas ändern lässt.
Ideen finden
Priorisieren & Entscheiden
2×2-Matrix (Priorisieren)Ideen oder Optionen entlang zweier selbstgewählter Achsen sortieren (z. B. Wirkung × Aufwand) — macht Prioritäten sichtbar und Diskussionen konkret.80:20-Check (Pareto)Die 20 Prozent finden, die 80 Prozent der Wirkung bringen: eine Liste (Funktionen, Maßnahmen, Probleme) nach Wirkung sortieren und den Fokus radikal verengen.Annahmen-Check (Hypothesen priorisieren)Alle Annahmen hinter einer Idee offenlegen, nach wichtig × unsicher sortieren und die riskantesten in testbare Hypothesen übersetzen — bevor die Realität es ungefragt tut.Clustern + Dot-VotingIdeen ordnen, dann still mit Klebepunkten priorisieren — die Häufung zeigt sofort, wo die Energie der Gruppe liegt.Dot-VotingStilles Priorisieren mit Klebepunkten — schnell, sichtbar, und die Chefstimme wiegt genauso viel wie jede andere.Drei HorizonteAuf drei Linien über der Zeit legt die Gruppe ab, was heute die Arbeit ausmacht und langsam an Kraft verliert (Horizont 1), was neu entsteht und die Zukunft prägen könnte (Horizont 3) und was dazwischen vermittelt (Horizont 2). Daraus folgt, was ihr loslasst, was ihr schützt und womit ihr anfangt.Ecocycle-PlanungDie Gruppe ordnet ihre laufenden Vorhaben in einen Kreislauf aus Entstehen, Reife, kreativer Zerstörung und Erneuerung. So wird sichtbar, was festhängt, was zu wenig Kraft bekommt und was gehen darf. (Struktur: Liberating Structures, CC BY-SA)Eisenhower-MatrixAufgaben werden nach zwei getrennten Fragen sortiert: Sind sie wichtig, und sind sie dringend? Daraus folgt, was sofort erledigt, was eingeplant, was abgegeben und was gestrichen wird.Entscheidungsmatrix (gewichtete Kriterien)Optionen gegen gewichtete Kriterien bewerten — trennt Bauchgefühl von Fakten und macht die Abwägung für alle sichtbar.How-Wow-Now-MatrixIdeen nach Originalität und Machbarkeit sortieren: Now = sofort machbar, Wow = originell UND machbar (Jackpot), How = stark, aber noch nicht umsetzbar.Kano-Check (Basis / Leistung / Begeisterung)Produktmerkmale in drei Sorten sortieren: Basis (fehlt = Ärger), Leistung (mehr = besser), Begeisterung (überrascht positiv) — schützt davor, Begeisterung zu bauen, wo die Basis wackelt.Kapazitäts-CheckVor dem Vollpacken ehrlich rechnen, wie viel Zeit das Team im Sprint wirklich hat — Urlaub, Termine, Puffer raus, dann erst zusagen.Konsent-EntscheidungEntschieden wird, wenn niemand einen schwerwiegenden Einwand hat. Begeisterung ist keine Bedingung.Leistbarer Einsatz (Affordable Loss)Vor dem nächsten Schritt festlegen, was man bereit ist einzusetzen und im schlechten Fall zu verlieren, in vier Währungen: Geld, Zeit, Ansehen, Beziehungen.Planning PokerAufwand im Team schätzen, ohne dass die lauteste Stimme gewinnt — alle legen verdeckt, dann wird über die Ausreißer geredet.Venn-Check (Desirability × Feasibility × Viability)Ideen in drei überlappende Kreise einsortieren: Wollen es die Nutzer:innen, können wir es bauen, trägt es sich? Nur die Mitte hat alle drei — der Rest zeigt, was fehlt.WirkungspfadEin geplanter Eingriff wird Schritt für Schritt bis zur gewünschten Veränderung durchgezogen: was sofort passiert, was daraus folgt, was sich im System ändert und woran man es merkt. Unter jedem Pfeil steht die Annahme, die stimmen muss. So sieht die Gruppe, wo der Plan am dünnsten ist.
Reflektieren & Abschließen
Action-Board (Wer / Was / Bis wann)Ergebnis-Sicherung mit Verbindlichkeit: Erst stehen die Namen an der Wand, dann sagt jede Person selbst, was sie übernimmt.Erster Schritt (Pilot in the Plane)Jede Person legt eine Handlung fest, die diese Woche passiert: mit vorhandenen Mitteln, innerhalb des leistbaren Einsatzes, mit einem echten Menschen. Laut vorgelesen wird daraus eine Verabredung.Start – Stop – ContinueAus dem Rückblick werden Verhaltensänderungen: Was fangen wir an, was lassen wir, was behalten wir bei.
Welche nehmen?
Kläre vorher, wer am Ende entscheidet: die Gruppe, eine Person nach Anhörung oder das Team im Konsent. Die Methode richtet sich danach.
Weitere Sammlungen
Kreativitätstechniken für WorkshopsMethoden, mit denen eine Gruppe viele Ideen zu einer Frage findet.Retro-Methoden für die RetrospektiveFormate, mit denen ein Team zurückschaut, Muster erkennt und sich auf wenige Änderungen einigt.Kurze Methoden für 15 MinutenMethoden, deren kürzeste Fassung in eine Viertelstunde passt.